Geschichte des Kinderferiendorfes : Ein Dorf für die Kinder von Neumünster

Zur Einweihung des Kinderferiendorfes entstand 1961 dieses Foto. Kinder toben zwischen den einfachen Hütten herum.
Zur Einweihung des Kinderferiendorfes entstand 1961 dieses Foto. Kinder toben zwischen den einfachen Hütten herum.

1961 wurde es aus dem Holz der SPD-„Baracke“ gebaut. Jeden Morgen gab es zwei Rosinenbrötchen und eine Milchtüte.

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23. Juni 2017, 08:30 Uhr

Neumünster | Das war eine Schlagzeile: „Das erste Jugendferiendorf Norddeutschlands wurde im September 1961 nach einjähriger Bauzeit im Stadtwald von Neumünster eingeweiht.“ Mit dieser Nachricht versendete damals die Deutsche Presse-Agentur ein Foto des Courier-Fotografen Walter Erben.

Nach einem Beschluss der Ratsversammlung waren Jahre zuvor Zelte auf der Wiese im Stadtwald aufgestellt worden, um den Kindern der Stadt eine Erholung in der Natur zu ermöglichen. Später wurden einfache Hütten errichtet. 1960 bot sich dann eine Gelegenheit: Als die legendäre „Baracke“ der Bundes-SPD in Bonn abgebrochen wurde, gelang es den Neumünsteranern, das Holz billig in ihre Stadt zu holen und damit das Dorf zu bauen.

In neun Blockhäusern konnten bis zu 80 Kinder untergebracht werden. In den Sommerferien diente das Dorf der „Stadtranderholung“, die schon 1955 von der Stadt für hilfs- und erholungsbedürftige Kinder eingeführt wurde. Sie wurden bis zu 14 Tage lang morgens mit einem Bus abgeholt, verbrachten den Tag im Dorf und wurden abends wieder nach Hause gebracht. Jeden Morgen gab es dann zwei Rosinenbrötchen und eine Milchtüte. Vor dem Essen wurde ein Lied gesungen. Beliebte Mahlzeiten waren Eier mit Senfsoße, Grieß mit Backobst, Hühnerfrikassee mit Spargel, Karbonade und Fischfilet.

Außerhalb der Ferien wurde die Einrichtung von Schulklassen benutzt, um einen naturverbundenen Unterricht zu ermöglichen.

Bis heute wird das Dorf für Tagesveranstaltungen genutzt, allerdings ohne Übernachtungen. Seniorensportler treffen sich dort gelegentlich, die Waldgruppe der Kita Gartenstadt hat dort ihre Schutzhütte. Doch die einfachen Hütten sind in die Jahre gekommen und buchstäblich muffig geworden. Allein der Erhalt der Substanz kostet die Stadt enorm viel Geld. Darum wurde im städtischen Sparpaket von 2010 beschlossen, das Dorf zu schließen und zu verkaufen. Doch fünf Jahre passierte nichts, und 2015 fasste der Rat den neuen Beschluss, das Dorf wieder zum Leben zu erwecken. Ende 2015 bot sich der Lions-Club an, das baufälligste der Häuser zu sanieren. Und nun sollen die anderen Hütten folgen. Damit das Dorf weiter leben kann.

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