zur Navigation springen

Orgelkonzert : Ein dickes Lob für die Führer-Orgel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Hildesheimer Kantor zog beim sommerlichen Orgelkonzert in der Vicelinkirche alle Register.

Neumünster | „Ein wunderbares Instrument.“ Mit leuchtenden Augen und voll des Lobes beschreibt Bernhard Römer das Spiel auf der großen Führer-Orgel. „Die Leichtigkeit, mit der sich diese Orgel spielen lässt und die mannigfaltigen Stimmungen, die man mit ihr erreichen kann, sind unvergleichlich“, konkretisierte Römer seine Einschätzung.

Im Rahmen der sommerlichen Orgelkonzertreihe in der Vicelinkirche orgelte der Hildesheimer Kantor am Sonntag das letzte von insgesamt drei Konzerten. „Wie der Vater so der Sohn?“ hatte Bernhard Römer den Abend betitelt. Auf dem Programm standen fünf Orgelsonaten von Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Carl Philip Emanuel Bach, dessen Geburtsjahr sich 2014 zum 300. Mal jährt.

„Der Filius ist damit eindeutig dem galanten Stil des Sturm und Drang zuzuordnen, bei denen entgegengesetzte Empfingen eine große Rolle spielen, während sein 1685 geborener Vater, als Vertreter des Barock, das Prinzip der Trio-Sonaten auf die Orgel übertragen hat und damit hochkomplexe, polyphone Gebilde schuf“, erklärte Karsten Lüdke in seiner kenntnisreichen Einführung. Nach Meinung des Neumünsteraner Kantors manifestiert sich der Epochenbruch zwischen Vater und Sohn besonders deutlich in den Orgelsonaten. „Mit Recht hat Bernhard Römer deshalb ein Fragezeichen hinter seinen Konzerttitel gesetzt. Aber hören Sie selbst!“, forderte Lüdke die 120 Besucher in der Vicelinkirche auf.

Mit der Sonate a-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach ging es los. Auf die beschwingte Stimmung des ersten Satzes folgten die sanften, melancholischen Töne des Adagio, um dann mit dem triumphierenden, fast drängenden Allegro zu enden. Bereits nach diesen drei Sätzen der ersten Sonate war klar: Oben an der Orgel sitzt jemand, der nicht nur sein Handwerk aufs Beste versteht, Bernhard Römer gelang es prompt, sich mit Präzision, Spielfreude und viel Gespür für die lauten und leisen Töne in die Herzen des Publikums zu spielen. Das sollte sich auch bei der nun folgenden, virtuos gespielten Sonate e-Moll von Johann Sebastian Bach nicht ändern: Der Hildesheimer Kantor entlockte der Führer-Orgel Melodien, die trotz der Komplexität des Stückes den gesamten Kirchenraum erfüllten. Und nun gewann, für jeden Besucher hörbar, das Fragezeichen an Bedeutung.

Römer hatte sein Programm bewusst so gestaltet, dass sich die Sonaten von Vater und Sohn jeweils abwechselten. Mit diesem Kunstgriff gelang es ihm, die Besucher auf eine Reise in die große Welt der Orgelmusik zu entführen.

Viel Intellekt beim Vater, große Emotionen beim Sohn und zu keiner Zeit Langeweile beim Publikum. Für Eike und Hanna Oser, zwei langjährige Chorsängerinnen aus Neumünster, stellte der Abend den Höhepunkt der sommerlichen Konzertreihe dar. „Wir haben alle drei Konzerte besucht. Der heutige Abend war ein besonderer Genuss. Herr Römer hat mit seinem Spiel eine Atmosphäre geschaffen, in der die Seele zur Ruhe kommen kann“, waren sich Mutter und Tochter einig.





zur Startseite

von
erstellt am 26.Aug.2014 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen