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Theaterstück : Ein Blick hinter die schöne Fassade

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Theater-AG der Holstenschule brachte „Das Bildnis des Dorian Gray“ auf die Bühne. Die Schüler überzeugten mit ihrer Szenenauswahl.

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 09:00 Uhr

Neumünster | Einen zeitlosen Klassiker der Literaturgeschichte hat die Theater-AG der Holstenschule am Dienstagabend erfolgreich vor 160 Besuchern auf die Bühne gebracht: Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“. Der an Aphorismen übersprudelnde Roman des Skandal-Ästheten der Oberschicht Großbritanniens im 19. Jahrhundert bearbeitet die noch heute aktuellen Fragen nach der Bedeutung des schönen Scheins.

„Wir leben auch heute in einer dekadenten Welt, in der oberflächlicher Schönheitskult betrieben wird“, begründete der Deutsch- und Religionslehrer Jan Reinartz, der zusammen mit der Deutschlehrerin und Lehrerin für Darstellendes Spiel Sara-Lena Garken die Theater-AG leitet. Gemeinsam haben sie die dramatisierte Fassung des Romans für ihre Gruppe bearbeitet und ein unterhaltsames Stück geschaffen, das sowohl durch die überzeugende Leistung der jungen Schauspieler glänzt als auch durch geschickte Auswahl der Szenen.

Der bildschöne und reiche Dorian Gray verliert durch die schädlichen Einflüsterungen seines Mentors Lord Henry Wotton (großartig diabolisch und distinguiert: Daniel Werner) seine liebenswerte Naivität. Gray wünscht sich, ein gemaltes Portrait von ihm würde statt seiner altern. Weil er für seine ewige Jugend seine Seele angeboten hat, wird sein Wunsch erfüllt. Er neigt fortan immer mehr zur rücksichtsloser Selbstliebe, huldigt dem sinnlichen Vergnügen und beurteilt alles und jeden nach Schönheit und dem Unterhaltungswert.

„Das Schwerste an der Rolle ist es, jemanden zu spielen, der so ganz anders ist, als ich es bin“, stellte Dorian-Gray-Darsteller Sohban Ahmed Nisa (18) fest. Der frisch gebackenen Abiturient faszinierte durch seine feine Mimik, denn mit einem leichten Zug der Mundwinkel verschaffte er sich eine arrogante Ausstrahlung oder deutete mit einem Augenrollen genervte Langeweile an. „Manchmal fühle ich mich ein bisschen schlecht, wenn ich auf der Bühne jemanden angeschrien habe. Ich entschuldige mich dann hinterher“, verriet er weiter.

Für Laura Celine Dittli (17), die eine verliebte Malerin spielte, war es das Gefühlschaos ihrer Rolle, das sie herausforderte. „Aber man ist beim Schauspielern nicht mehr man selbst, man schlüpft in die Person und muss versuchen, sie zu fühlen“, erläuterte die Elftklässlerin. Durch das Schauspielen habe sie nicht nur sich selbst besser kennengelernt: „Es hilft auch beim Verständnis anderer Menschen, auch wenn man deren Auffassung nicht teilt.“

Wer die Premiere verpasst hat, kann heute eine weitere Vorstellung genießen. Los geht es um 19.30 Uhr in der Aula der Holstenschule an der Altonaer Straße 40. Karten kosten 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Schüler.

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