zur Navigation springen

Stadthalle : Ein Blick hinter die Kulissen des Theaters

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Warum darf auf einer Bühne nicht gepfiffen werden? Und wie groß muss ein Dirigent sein? Antworten gab es beim Tag der offenen Tür im Theater in der Stadthalle.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Eine etwas andere Sicht auf „ihr“ Theater in der Stadthalle versprach Sünne Höhn, die im Kulturbüro der Stadt für die Programmplanung verantwortlich ist, den 45 Gästen der ersten Führung zum Tag der offenen Tür am Sonntag.

Zur Einführung stellte sie den Spielplan 2014/ 2015 vor und verwies auf 50 Veranstaltungen – vom Weihnachtsmärchen bis zum klassischen Schauspiel Schillers „Don Carlos“. Schauspiel, Musiktheater, Ballett, Konzerte, Kabarett und Junges Theater sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Sünne Höhn verwies auf einen durchgängigen Ansatz: Bildung. „Machen Sie mit einem Theaterbesuch Bildungsurlaub“, sagte sie und erwähnte die gute Zusammenarbeit mit den Schulen der Stadt. So können Klassen in Workshops auf der Bühne Theater spielen.

Das Tourneetheater Thespiskarren startet am Mittwoch, den 8. Oktober, mit dem Kino-Knüller „Ziemlich beste Freunde“ in die neue Saison, die 2015 im 30. Jahr des Bestehens des Theaters in der Stadthalle endet.

Die Programmmacherin erklärte auch die Grenzen und Freiheiten, die ein „leeres“ Theater, ein Haus ohne eigenes Ensemble, bietet. So sei sie immer auf der Jagd nach interessanten Inszenierungen, bekannten Solisten, die sie verpflichten könne, wie das Duo Valkow und Kostov, das direkt aus New York nach Neumünster kommt und die großen Cello-Sonaten von Bach bis Beethoven und Chopin spielt.

Im Anschluss übernahmen Beleuchtungsmeister Ralf Hiller und die Mitglieder des hauseigenen Theaterjugendclubs die weitere Führung. Hiller stellte insbesondere die Technik des Hauses mit seinen 560 Plätzen vor. So ist beispielsweise die Bühne groß genug, um etwa bei Opernaufführungen 120 Akteure inklusive Kulissen aufzunehmen. Sehr informativ waren seine Ausführungen über das Zusammenspiel hinter der Bühne (inklusive der technischen Möglichkeiten) zwischen Regisseur, Beleuchtern, Inspizienten und Akteuren. Ebenso interessant und überraschend der Zusammenhang von Schnürboden und Bühnenverwandlung. Dabei hatten die Besucher die Möglichkeit, mit dem Orchestergraben drei Meter in den Keller zu fahren und in den Katakomben die Garderoben mit dem Charme einer Turnhalle zu bewundern. Danach ging es nach oben auf die Beleuchterbrücke, die sich zehn Meter über der Bühne befindet.

Hiller verriet den Gästen auch, warum auf einer Bühne nicht gepfiffen werden darf, und wie groß ein Dirigent sein muss, um von Schauspielern und Chor gesehen zu werden. Sünne Höhns einleitende Bemerkung zum leeren Theater widerlegten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Theaterclubs mit szenischem Spiel von eigenen Texten. Friederieke Lenz, und Sophie Urzua starteten im Poetry-Slam-Stil zum Thema Egoismus. Sonja David und Jessica Harich spielten überzeugend die Tücken einer Uraufführung. Schaurig im blauen Licht ging es in den Untergrund: Jessica Harich als Minotauros las über das Monster in den Katakomben der Stadthalle und bat alle Besucher, ja nicht allein durch die Gänge zu pilgern.

Wenige Lidstriche von Sonja David in der Garderobe genügten, um aus Antje Blumenstein „Carlos“ zu zaubern. Mit Poesie und Piano verabschiedeten die Mitglieder des Theaterjugendclubs die Gäste, die einer einheitlichen Meinung waren: Es hat sich gelohnt, hinter die Kulissen zu schauen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen