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Seniorenmagazin : Ein blauer Tunnel und eine Lokomotive

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Über Wochen hatte ich immer wieder dieselben Vorstellungen: Alles war blau und ein lichtdurchfluteter Mensch sprach mit mir.

Alles Blau, der gesamte Tunnel, dann ganz hinten Licht. Dazwischen Menschen, eher Konturen von Personen, die hin und her laufen. Ich höre Stimmen, die Worte verschwimmen, ich verstehe nichts. Dann eine Person, die mit mir in Kontakt kommen will. Ich fühle mich angesprochen, kann aber selbst nicht sprechen, bleibe eine Antwort schuldig. Dann verschwimmt alles, verschwindet im Licht am Ende des Tunnels.

Dann kommt wieder die gleiche Szenerie. Jetzt aber auch noch der Ton einer Lokomotive. Es zischt und brodelt, ich muss mich in der Nähe eines Bahnhofs befinden. Einen Zug sehe ich nicht, nur wieder einen blauen Tunnel mit hellem Licht im Hintergrund. Der Versuch zu sprechen bleibt erfolglos, ich bekomme keinen Ton heraus. Ich will mich bemerkbar machen und versuche mich zu bewegen, mein Körper gehorcht mir nicht. Eine lichtdurchflutete Person beugt sich über mich und spricht. Die Worte verstehe ich erneut nicht, sie hören sich blechern und verschwommen an. Dann verschwindet wieder alles und ich falle in einen traumlosen Schlaf.

Dann, Tage später, verstehe ich die Stimme, vielleicht weil sie mir vertraut ist. Nein, es war kein Engel am Ende des Tunnels, es war meine Frau. Obwohl … Der Raum hinter ihr ist hell, ich kann endlich erkennen, dass ich nicht in einem Bahnhof liege. Antworten und mich bewegen kann ich mich immer noch nicht. Kurze Zeit später werde ich wieder in meine blaue Traumwelt versetzt.

Richtig, ich befinde mich in einer gewollten Traumwelt, in einer Intensivstation eines Krankenhauses. Man hat mich für dreieinhalb Wochen aus medizinischen Gründen ins Koma versetzt. Meine blauen Wahrnehmungen waren Träume. Nicht alle, die Personen waren tatsächlich vorhanden, der Bahnhof nicht. Die Lokomotive entpuppte sich als eine Dekubitusmatratze, die mit Luft gefüllt war und über Ventile in ständiger Bewegung gehalten wurde. Sprechen konnte ich nicht, da man mich über einen Luftröhrenschnitt mit Atemluft versorgte. Das blaue Licht mit Tunnelblick und hellem Licht im Hintergrund war nicht der Weg ins Jenseits, weder der Himmel noch der Weg in die Hölle, dies hatte sich mein Gehirn ausgedacht.

Jetzt träume ich wieder in meinem Bett, keine blaue Welt, alles im Normbereich.

Mehr Berichte zum Thema Träume gibt es im Seniorenmagazin des Couriers vom 31. Januar.

 

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erstellt am 31.Jan.2014 | 09:00 Uhr

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