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Zeitung in der Schule : Ein Besuch in der Flüchtlingsunterkunft

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Klasse 8d der Alexander-von-Humboldt Schule schaute sich während des Projekts „Zeitung in der Schule“ (Zisch) die Erstaufnahmeeinrichtung am Haart an.

Neumünster | Von außen erinnert es an ein Gefängnis. Hohe Zäune, leere Wege, dicht an dicht gereihte Gebäude. Nach einem Zuhause sieht das noch nicht aus. „Wie soll man denn hier leben?“ Dieser Frage ging die Klasse 8d der Alexander-von-Humboldt-Schule mit ihrer Lehrerin Linda Gerkens während des Projekts „Zeitung in der Schule“ (Zisch) nach.

Es geht nach Neumünster in die ehemalige Scholtz-Kaserne, eine der Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes Schleswig-Holstein. Der erste Eindruck der ehemaligen Kaserne wirkt noch nicht allzu vertrauensvoll. Empfangen wird die Schulklasse am Eingang vom Wachpersonal, das allerdings zu einem netten Pläuschchen aufgelegt ist. Pünktlich zur verabredeten Zeit kommt die Pressesprecherin Nele Brüser, die die interessierten Schüler durch die Einrichtung führt und ihre Fragen beantwortet.

Sie erklärt, dass in dieser Unterkunft 850 Geflüchtete aufgenommen werden können. Aktuell sind dort 386 Menschen untergebracht (Stand 10. Januar 2017). Der Alltag der Bewohner wird auch mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes von drei Mahlzeiten, die in einer Kantine serviert werden, strukturiert. Diese werden frisch und ohne Schweinefleisch zubereitet. Zudem werden Sprachkurse und Sozialberatung angeboten. Um ein wenig extra Geld zu verdienen, können sie zum Beispiel beim Reinigen der Räume helfen. „Und natürlich gibt es hier Spielplätze, Freizeiträume und eine Kinderspielstube“, erklärt Nele Brüser.

Jedem Geflüchteten stehen mindestens sechs Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Räume kann man sich wie in einem Schullandheim vorstellen: Lichtdurchflutete Zimmer, in denen bis zu sechs Personen Platz haben.

Es kommen mehr Männer als Frauen nach Deutschland. „Die Einrichtung in Neumünster hat einen separaten Wohnbereich für Frauen, zu dem Männer keinen Zutritt haben“, erklärt Nele Brüser. Obwohl das Gebäude mehr nach einer geschlossenen Einrichtung aussieht, steht es den Geflüchteten immer frei, das Gelände zu verlassen und zum Beispiel die Stadt zu besuchen.

Die Klasse erfährt außerdem, dass ein Teil der Geflüchteten von Neumünster unter anderem in die Kommunen verteilt wird, in der Einrichtung verbleibt oder auch eine Anschlussunterbringung zum Beispiel in Boostedt bekommt. Auf die Frage einer Schülerin, ob Geflüchtete gerne über ihre Erlebnisse sprechen, antwortet Nele Brüser: „Manchmal ja, aber meistens fällt es ihnen sehr schwer!“ Sie fügt hinzu, dass die Menschen trotzdem sehr glücklich seien, dass sie geschützt in Deutschland sind und insgesamt eine sehr gute, fröhliche Atmosphäre vorherrsche.

Und obwohl in dieser doch freundlichen Unterkunft alle Mitwirkenden bemüht sind, dass es den Ankömmlingen möglichst gut geht, ein Zuhause ist es dennoch nicht. Denn nichts wünschen sich diese Menschen mehr, als wieder zurück in ihre Heimat zu gehen, in der es hoffentlich bald sicher ist. Und wo ein normaler Alltag auf sie wartet.




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erstellt am 01.Feb.2017 | 06:06 Uhr

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