Neues Kinderbuch : Ein besonderes Buch für kleine Jungen

Der Neumünsteraner Clemens Fobian arbeitet als Pädagoge in einer Beratungsstelle in Hamburg. Jetzt hat er ein Kinderbuch zum Thema sexueller Missbrauch geschrieben. Er möchte damit besonders Jungen ansprechen.
Der Neumünsteraner Clemens Fobian arbeitet als Pädagoge in einer Beratungsstelle in Hamburg. Jetzt hat er ein Kinderbuch zum Thema sexueller Missbrauch geschrieben. Er möchte damit besonders Jungen ansprechen.

Clemens Fobian hat ein Kinderbuch zum Thema sexueller Missbrauch geschrieben. Er möchte stärken und tradierte Rollenbilder hinterfragen.

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23. Juni 2017, 12:00 Uhr

Neumünster | Auch Jungen werden immer wieder Opfer von sexuellem Missbrauch. Zwar sind sie nicht so häufig betroffen wie Mädchen. Doch der Missbrauch von Jungen ist in den Köpfen vieler Menschen auch nicht so präsent. Als Folge fehlen nicht nur Anlaufstellen, sondern auch Umgangsformen mit dem Problem. Um Abhilfe zu schaffen und das Bewusstsein zu verändern, hat der Neumünsteraner Clemens Fobian (33) jetzt ein Kinderbuch zu dieser Thematik geschrieben. „Pepe. Ein Ausflug, der stark macht“ heißt das Werk für Kinder, Eltern oder Erzieher.

Die Idee für das Buch entstand im Arbeitsalltag. Seit sieben Jahren arbeitet der studierte Sozialpädagoge und Traumapädagoge in Hamburg in der Fachberatungsstelle Basis-praevent zum Thema sexueller Missbrauch an Jungen. Er kümmert sich um Fälle aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordniedersachsen. Nebenbei macht er zurzeit eine Weiterbildung zum systemischen Therapeuten. Mit seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter (4) lebt er in der Hansestadt.

„In der Beratungsarbeit fiel mir auf, dass es zum sexuellen Missbrauch fast nur Bücher mit weiblichen Protagonisten gibt. Adäquates Material für Jungen fehlt. Ich wollte die Jungen mehr im Blickwinkel haben“, erklärt Fobian. Denn sexueller Missbrauch ist nicht nur ein Problem von Mädchen, auch wenn ihr Risiko größer ist. So sei jedes vierte bis fünfte Mädchen betroffen, aber immerhin auch im Schnitt jeder zehnte Junge. „Das ist rein rechnerisch einer in jeder Schulklasse.

Dennoch denken Jungen sogar oft selbst, es könne ihnen nicht passieren“, erklärt der gelernte Erzieher, der in Neumünster zur IGS Brachenfeld und Elly-Heuss-Knapp-Schule ging. Ein Junge sagte ihm in einer Beratung einmal: „Wenn ich ein Mädchen wäre, würde ich sagen, ich bin missbraucht worden.“ Oft greifen auch noch tradierte Rollenbilder, die besagen, dass Jungen alle Probleme allein lösen können und keine Hilfe brauchen.

Um derartige Fehleinschätzungen zu vermeiden sei es wichtig, bereits im frühen Alter die Problematik kindgerecht zu thematisieren, sagt Clemens Fobian. In seinem Buch lässt er den kleinen Pepe mit seinem Kindergarten einen Ausflug in eine Beratungsstelle machen. Dort lernt der Junge, dass man sich immer Hilfe holen darf, dass jeder Mensch Stellen am Körper hat, an denen er nicht angefasst werden mag und dass man immer „Stopp!“ rufen darf – auch ganz laut. Am Ende der Geschichte gibt es Arbeitsmaterial, das sich Eltern oder Erzieher mit den Kindern vornehmen können. Es kann auch für größere Gruppen als pdf im Internet heruntergeladen werden. Am Schluss erfahren die erwachsenen Vorleser zum Beispiel, was sie bei Verdachtsmomenten tun können und wo es Beratung gibt.

„Mir war wichtig mit dem Buch keine Angst zu machen und nicht zu dramatisieren. Aber das Thema darf auch nicht bagatellisiert werden. Die Kinder sollen gestärkt werden“, erklärt der Autor.

Im Herbst vergangenen Jahres begann er, die Idee zu entwickeln und zu schreiben. Schließlich fand er Mieke Röder als Illustratorin, die sich als Psychologin besonders gut zeichnerisch in das Thema hineindenken konnte und das Buch liebevoll mitgestaltete. Seit Mai ist das Werk fertig. Verlegt wurde es bei dem Hamburger Verlag „Marta Press“. Es ist über den Buchhandel zu beziehen und kostet 22 Euro.

Die ersten Rückmeldungen von Kindertagesstätten, Beratungsstellen oder Eltern sind durchweg positiv. Darüber freut sich Clemens Fobian. „Ich möchte das Thema besprechbar machen“, sagt er.

>Weitere Informationen gibt es unter www.basis-praevent.de/pepe und www.hilfeportal-missbrauch.de

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