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Niederdeutsche Bühne : Ein berührender Theaterabend

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das neue NBN-Stück „De Panther“ fußt auf einem Gedicht von Rainer Maria Rilke und eröffnet einen neuen Blick auf das Thema Demenz.

Die Niederdeutsche Bühne bleibt sich treu: Einmal im Jahr geht es in ihren Aufführungen nicht um vertauschte Großväter, überkandidelte Töchterchen oder untreue Ehemänner, die sich in ihren Affären verstricken. Einmal im Jahr kommt Substanz auf die Bühne. Gut 100 Besucher feierten am Freitagabend die Premiere von „De Panther“. Der österreichische Autor Felix Mitterer hat dieses Volksstück 2007 kunstvoll gewebt, und Wolfgang Schütz hat es für die NBN glänzend in Szene gesetzt.

Eine tragende Rolle spielt eines der bekanntesten Gedichte deutscher Sprache, „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke (siehe Kasten). Der Dichter beschreibt darin in nur drei Strophen die innere Gefangenschaft eines Panthers in einem Zoo in Paris. Durch die Enge des Käfigs hat der Panther seine natürliche Wesensart verloren; er kennt sich selbst nicht mehr, aber irgendwo in ihm steckt noch ein großer Wille zum Überleben. Diesen Kerngedanken hat der Autor auf demente Menschen übertragen und daraus ein beeindruckendes Theaterstück gemacht.

Marion Liebherr (Heike Ingwersen) kommt gerade von der Beerdigung ihres eigenen Ehemannes. Lange hat sie ihn gepflegt, aber irgendwann ging es nicht mehr, und er kam ins Heim. Marion hörte auch auf, ihn zu besuchen, weil sie seine Krankheit und seine Aggressionen nicht mehr ertrug. Beim Einparken vor dem Haus fährt sie einen Mann (Dieter Milkereit) an und bringt ihn fürsorglich in die Wohnung. Wer ist dieser Mann, der sehr amüsant und lebensklug, aber dann auch wieder so garstig sein kann? Und wer ist Heinz (Michael Schmidt), der ihr vom Gericht als Betreuer vorgesetzt wurde und doch offenbar nur auf Marions Geld scharf ist?

Marion schwankt hin und her zwischen Unsicherheit und Hoffnung, und sie will herausfinden, wer ihr unbekannter Gast ist, der nachts nicht schlafen kann und verzweifelt versucht, sich das Panther-Gedicht in die Erinnerung zu rufen. Er ist dement, das scheint sicher. Aber ist er auch ein Betrüger? Manchmal flackert bei den beiden eine (gemeinsame?) Erinnerung an ein vergangenes Leben auf: Urlaub in Paris, das Rilke-Gedicht, der Tod von Marions Sohn. Aber dann ist alles wieder ganz anders, nichts scheint sicher.

Heike Ingwersen und Dieter Milkereit müssen mit Regisseur Wolfgang Schütz hart gearbeitet haben, um das Stück so auf den Punkt spielen zu können, und auch Michael Schmidt kommt in seiner Nebenrolle glaubhaft daher. Das Ensemble schenkte den Publikum einen gelungenen, berührenden Theaterabend, und das bedankte sich mit sehr viel Applaus. Mit Recht.

 

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

                                    Rainer Maria Rilke

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erstellt am 17.Feb.2014 | 06:30 Uhr

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