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Gerisch-Stiftung : Ein Appell an das kulturelle Wissen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ab Mittwoch zeigt die Gerisch-Stiftung die Ausstellung „Friendly Footage – Kunst und Spielfilm“. Hunderte Besucher kamen zur Vernissage

Neumünster | Vom 8. Juni bis zum 9. September zeigt die Herbert-Gerisch-Stiftung ihre Sommerausstellung „Friendly Footage – Kunst und Spielfilm“. Zur gestrigen Vernissage kamen hunderte Besucher, um sich die Bilder und Skulpturen von zehn internationalen Künstlern anzusehen.

Bereits zur Einleitungsrede des Kurators Professor Claus Friede fanden sich 150 Gäste ein. „Die Ausstellung geht den Bezügen nach, die zeitgenössische Kunst heute mit dem Genre Spielfilm verbindet“, erklärte der künstlerische Leiter des Hauses. Überschneidungspunkte gibt es zum Beispiel in den Vorstellungen von Fiktion und Realität. Daher interessierte den Kurator auch die Frage: „Welche Zitate, welche Metaphern oder Konstruktionen finden in der bildenden Kunst ihre Fortsetzung oder ihren Widerhall?“

Das macht die Ausstellung so überaus spannend und attraktiv: Denn die Kunstwerke appellieren an das kulturelle Wissen des Betrachters. Wenn man wie die Besucherin Helen Graf in das gekachelte Badezimmer kommt und die an Blutflecken erinnernden Lachen auf den Fliesen sieht, ist klar: Hier ist etwas Brutales passiert. Helen Graf hatte zwar nicht die Assoziation mit Alfred Hitchcocks Film „Psycho“, dachte aber sofort an ein Verbrechen: „Es löst gemischte Gefühle aus. So kennt man einen Tatort aus Filmen.“ Bei genauerem Hinsehen auf die glänzend-roten Flecken neben der Badewanne fällt dann aber doch die Künstlichkeit der Installation „Bang Bang“ von Viviane Gernaert auf: Die aus Epoxidharz gefertigten Lachen sind sauber abgegrenzt, es fehlen Blutspritzer, und besonders schön wird das Werk sogar, wenn man auf die Spiegelungen der Oberfläche achtet.

Die besondere Attraktivität, die von den Werken ausgeht, liegt unter anderem in dem kulturellen Wissen des einzelnen Betrachters, wie Claus Friede erläuterte: „Ein großes Reservoir liegt im kollektiven Bildgedächtnis und ist der Kunst und dem Spielfilm gemein.“

Erinnerungen an düstere Zukunftsentwürfe weckt Nils Kasiske (38) mit seinem Cyborg „Distopia (Postbeta)“. Der abgewrackte Roboter des Hamburger Künstlers sitzt mittig in einem Zimmer und wirkt weder kraftvoll, funktional oder beängstigend wie Roboter in dem Film „The Terminator“ etwa. „Ich hatte ihn ursprünglich als einen Bettler gebaut, der auch sprechen kann und nach seinem Hund fragt“, schilderte der studierte Germanist Kasiske. Ihn interessiert, in wieweit künstliche Intelligenz lernfähig ist und Emotionen haben kann. Der Werktitel verweist im Übrigen auf einen Begriff aus der der Kunstgeschichte benachbarten Literaturwissenschaft und meint einen negativen Ausgang einer in der Zukunft handelnden Erzählung.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 10:00 Uhr

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