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Trauerfeier : Ein Abschied voller Würde und Respekt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Vicelinkirche war beim Trauergottesdienst für Friedrich-Wilhelm Strohdiek fast voll besetzt. Pastor Gerson Seiß predigte ohne Talar

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erstellt am 26.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Neumünster | Es war keine Selbstverständlichkeit, aber für einen besonderen Bürger machte der Kirchenvorstand der Vicelinkirche gern eine Ausnahme. In Neumünsters ältester und größter Kirche fand gestern der Trauergottesdienst für den verstorbenen Stadtpräsidenten Friedrich-Wilhelm Strohdiek († 72) statt. „Obwohl er den christlichen und ethischen Werten eng verbunden war, gehörte Friedrich-Wilhelm Strohdiek keiner Kirche an. Wir haben aber dem Wunsch nach seelsorgerlicher Begleitung entsprochen“, sagte Pastor Gerson Seiß. Einziges Zugeständnis: Er sprach im Anzug, nicht im Talar.

Das tat der Wirkung seiner wohl gesetzten Worte in der mit etwa 500 Menschen besetzten Kirche aber keinen Abbruch. Pastor Seiß sprach einfühlsam und kenntnisreich über Strohdiek und skizzierte ihn als einen Mann, der aus einfachen Verhältnissen kam und sich in der Nachkriegszeit mit viel Ehrgeiz und Fleiß nach oben arbeitete. Er war in Einfeld zu Hause, aber in ganz Neumünster unterwegs – besonders in seiner Zeit als Stadtpräsident (seit 2008). Etwa 800 Termine habe Strohdiek pro Jahr wahrgenommen. „Er hat Neumünster würdig und stilsicher vertreten und war immer gern bereit, in kleinen und großen Dingen zu helfen. Und er wurde nicht müde, für seine Stadt zu werben. Neumünster hat ihm viel zu verdanken“, sagte Seiß.

Der Pastor ging auch auf das traurige Ende von Strohdieks Lebens ein. „Am Dienstag leitete er noch die Ratssitzung wie immer, am Mittwoch fühlte er sich nicht wohl, am Donnerstag wollte er – nach einem kurzen Halt beim Hausarzt – zu einem Termin nach Lübeck fahren“, sagte Seiß. Doch alles kam anders. Strohdiek musste sofort mit Herzbeschwerden und inneren Blutungen ins FEK, kam noch per Nottransport nach Kiel, doch die Ärzte konnten ihn nicht retten. „Er wurde quasi von jetzt auf gleich abberufen und musste ohne Abschied gehen. Dabei hatte er noch so viel vor“, so Seiß.

Der Gottesdienst wurde musikalisch umrahmt. Vicelinkantor Dr. Karsten Lüdtke spielte auf der Orgel, und die Trauergemeinde sang „Befiehl du deine Wege“ und „So nimm denn meine Hände“. Berührend schön war die Darbietung des Liedes „The Prayer“ durch Hans-Georg, Brigitta und Lena-Catharina Wolos.

Nach dem Gottesdienst hatte die Stadt zu einem Empfang in das Museum Tuch+Technik eingeladen. Auf Wunsch von Familie Strohdiek wurden dort keine Reden gehalten. Einzig Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras begrüßte die Gäste mit zwei, drei Sätzen. Das anschließende Beisammensein rundete eine Abschiedsfeier voller Würde und Respekt gut ab.

Anlässlich der Trauerfeier hatte die Stadt Trauerbeflaggung angeordnet; das Innenministerium tat es für die Landesbehörden in Neumünster ebenfalls. Selbst vor dem Landeshaus in Kiel und in Nachbargemeinden wie Bad Bramstedt wehten die Fahnen auf Halbmast. Ein Trauergast meinte beim Empfang ganz treffend: „Das alles hätte Fred gefallen.“

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