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Fipronil-Skandal : Eier vom Bauernhof sind gefragt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kunden kaufen wieder verstärkt vor Ort beim Landwirt ihres Vertrauens und suchen das Gespräch.

Boostedt | Der Skandal um die mit dem Insektizid Fipronil verseuchten Eier aus den Niederlanden (der Courier berichtete) sorgt auch bei den Produzenten im Umland von Neumünster für Diskussionen. Denn nach der Vogelgrippe und der gerade überstandenen Geflügelpest stehen die Landwirte mit dem Eier-Skandal nun schon wieder in den Schlagzeilen. Allerdings profitieren die Legebetriebe auf dem Dorf: Zur Zeit kaufen die Kundern verstärkt Eier vom Land.

„Das Mittel wurde in belegten Ställen angewendet. Das ist verboten. Und es ist gut, dass unsere Kontrollen hier gegriffen haben. Aber dass sich unter anderem die Handelskette Aldi nun als ‚Gutmensch‘ hinstellt, weil sie Eier aus ihrem Sortiment genommen hat, finde ich verlogen. Warum können die nicht, so wie es einige Mitbewerber erfolgreich machen, ihre Eier aus der Region beziehen?“, fragt Thomas Haase, der auf seinen Hof in Boostedt rund 2000 Legehennen hält.

Ebenso sieht Haase aber auch eine Mitverantwortung beim Verbraucher. Denn wenn sich der Absatz nur über den niedrigen Preis gestalte, könnten regionale Anbieter schlicht nicht mithalten. Doch selbst wenn der Käufer irrational handele, dürfe das kein Argument sein, ihn zu betrügen erklärt er. Finanzielle Einbußen habe sein Betrieb bisher nicht hinnehmen müssen. „Ganz im Gegenteil. Als Direktvermarkter vor Ort profitiere ich davon“, so der Boostedter.

Gleiches berichtet der Wasbeker Sven Jansen, der seine Eier unter anderem ab Hof sowie im Dorfladen verkauft. „Unser Absatz hat sich nicht verändert. Aber die Leute, die sich sonst ihren Karton Eier einfach aus dem Stand nehmen, zahlen und wieder gehen, suchen jetzt häufig das Gespräch“, erzählt der Landwirt, bei dem 1600 Hennen auf der Wiese scharren. Auffällig sei, dass die Menschen heute so weit weg vom Tier seien. „Zum Beispiel wollen die Leute das ganze Jahr braune Eier, weil sie der Meinung sind, diese schmecken besser. Aber zu Ostern sollen die Hühner dann weiße Eier legen“, berichtet er schmunzelnd.

Ähnlich Erfahrungen hat auch Julia Schnoor gemacht, die gemeinsam mit ihrem Mann Joachim einen Hof in Padenstedt betreibt. „Die Kunden sind durch den Skandal in ihrer Romantik über das ‚glückliche Huhn‘ erschüttert worden. Und manche erkundigen sich schon danach, ob wir auch solche Mittel benutzen. Insgesamt kann man aber sagen, dass sie sich – wahrscheinlich für eine Woche – auf uns als lokale Erzeuger besonnen haben“, sagt sie. Doch solange die Billigmentalität vorherrsche, werde sich nichts ändern. „Letztlich hat es der Kunde selbst in der Hand. Und gute Lebensmittel gibt es nicht nur unter der Marke Bio“, meint Julia Schnoor.  


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