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Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 11:41 Uhr

Lesung : Ehebruch geht derzeit sehr gut

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Buchautorin Dagmar Seifert stellte in der Stadtbücherei ihren vergnüglichen Roman „Das Mittwochszimmer“ vor.

Neumünster | Eine vergnügliche Lesung von Dagmar Seifert (60) gönnten sich am Dienstagabend rund zwei Dutzend Besucher in der Stadtbücherei. Die erfolgreiche Autorin aus Uetersen im Kreis Pinneberg las aus ihrem gerade erschienenen Roman „Das Mittwochszimmer“. „Es ist ein ganzes Leben, von dem ich erzähle, und ein Stück deutsche Geschichte dazu“, schilderte Dagmar Seifert. Eine gute Stunde las die gebürtige Grömitzerin die ersten beiden Kapitel vor und nahm die amüsierten Zuhörer mit in das biedere Hamburg der 1950er-Jahre.

Den Einstieg in diese Welt wählte die Autorin klassisch: Das Leben der Romanheldin Cornelia Hertz schilderte sie von Anfang an, beginnend mit ihrer Geburt in der Klinik Finkenau. Sie kam in der Silvesternacht 1954 zur Welt, Männer waren damals im Kreißsaal noch verboten. Doch dieses Problem hatte die Mutter der Hauptfigur nicht, sie brachte ihr hübsches Töchterchen nämlich – Ehrlosigkeit hin oder her – unehelich zur Welt.

Mit erfrischendem Humor nach norddeutscher Art setzte die Autorin dieser normverfehlten Geburt eine „anständige“ entgegen: Ein fast gleichzeitig im selben Kreißsaal geborenes Mädchen wird ebenfalls Cornelia getauft. Wie es der Zufall will, werden die Mädchen beste Freundinnen. Wer aber unter fragwürdigen Bedingungen zur Welt kommt, so scheint es der Romananfang zu meinen, aus dem kann auch nichts Rechtes werden. So geht Cornelia Hertz schon als Kind auf Diebestour, angeleitet von ihrem tumben, aber harmlosen Onkel Uwe. Der Schauplatz der ersten beiden Kapitel ist Hamburg-Niendorf, wo auch die Autorin gelebt hat und zur Schule gegangen ist. „Ich habe eigene Erfahrungen eingebaut“, bekannte sie.

Ein Erlebnis war die Lesung besonders wegen Dagmar Seiferts schauspielerischem Talent. Mit hanseatisch-gemütlichem Dialekt färbte sie ihre Figuren, so dass die Zuhörer spontan zu kichern anfingen. „Das Ambiente überzeugte mich, und die Sprache der Figuren hat mir sehr gefallen“, sagte Helga Kröger aus Neumünster, die sich das Buch nach der Lesung signieren ließ.

Die Journalistin Dagmar Seifert, die unter anderem für Cosmopolitan und den Stern geschrieben hat, gab den Zuhörern im Anschluss einen Blick in ihre Schreibwerkstatt: „Bei mir standen die Handlungen von Anfang an fest, die Figuren haben sich daran entwickelt.“ Die Idee, zum Teil bewusst irre führende Überschriften für ihre Kapitel zu wählen, habe sie sich von Erich Kästner abgeguckt, verriet sie weiter.

Die Idee für „Das Mittwochszimmer“ kam allerdings von der Verlegerin: „Sie wollte einen Ehebruchs-Roman. Die gehen wohl zurzeit sehr gut“, erklärte Dagmar Seifert.

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