Schadstoffe : Edi-Häuser: Asbestgefahr in Klebern

Thorsten Pauls (rechts) und sein Kollege Enrico Stein (links) schliffen und saugten in einem Arbeitsschritt die asbesthaltige Kleberschicht ab. Jutta Staben prüfte als Gutachterin für eine Zertifizierung das Verfahren. Fotos: Ziehm
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Thorsten Pauls (rechts) und sein Kollege Enrico Stein (links) schliffen und saugten in einem Arbeitsschritt die asbesthaltige Kleberschicht ab. Jutta Staben prüfte als Gutachterin für eine Zertifizierung das Verfahren. Fotos: Ziehm

Krebserregende Schadstoffe lauern in Boden- und Wandbelegen sowie in Klebern . Selbst Fachfirmen wissen oft nicht um die Risiken.

shz.de von
19. Januar 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Mit dem Edi-Haus, etwa vom Typ Neumünster, setzte Bauunternehmer Emil Dittmer sich und seiner Heimatstadt ein Denkmal. Die Fertighäuser aus Betonteilen gelten als unverwüstlich. Nach 50 Jahren werden Schadstoffe jedoch zum Problem. Asbesthaltige Venylbelege fangen an zu zerbröseln und werden zur Gefahr.

Dörte Küttler-Katzmann (39), Diplom-Ingenieurin für Architektur, und ihr Mann Patrick Katzmann (40), ein Bauingenieur, sind vom Fach. Und sie kannten über Internetforen die mögliche Asbest-Vorgeschichte bei Edi. Dennoch kauften sie im November ihr Traumhaus an der Helmoldstraße, ein Edi-Haus Typ Neumünster 31, Baujahr 1967. Die Typenzahl steht für die Dachneigung von 31 Grad.

„Erst nach der Hausübergabe wurde das ganze Ausmaß der Belastung erkannt. Der Makler hat kein Wort darüber verloren“, sagt Dörte Küttler-Katzmann. Das Eternitdach war noch das geringste Problem. Im Dezember wandte sich das Paar, das zwei kleine Kinder hat, an die Firma Nutech, die die jetzt abgeschlossene Sanierung begleitete.

Asbest fand sich sowohl in den Fußbodenklebern als auch in den Boden- und Wandbelegen. Die wie Fliesen aussehenden Venylasbestplatten fanden sich in Küche und Bad, waren dort zum Teil übertapeziert. Im Keller bestand die Verkleidung der Heizungsrohre aus künstlichen Mineralfasern. „Die sind zwar nicht asbesthaltig, aber ebenso krebserregend“, sagt Jutta Staben vom Analytik- und Prüfzentrum der Nutech.

Als Gefahrstoffmessstelle begleitete Nutech die Sanierung durch die Hamburger Firma Bogdol. Die trieb für ihre Zertifizierung großen Aufwand. In Unterdruckatmosphäre des vollständig abgedichteten Hauses schliffen Mitarbeiter in Vollschutzanzügen die belasteten Kleberschichten ab. Die Spezialmaschinen saugten im gleichen Arbeitsschritt das belastete Material ab. „Früher hätte man die Böden komplett rausstemmen müssen“, sagt Bogdol-Chef Ingo Döhring. Das wäre viel teurer gekommen als die jetzt anfallenden Sanierungskosten von 25 Euro je Quadratmeter.

Viele Architekten und Baufirmen wüssten nicht um die Gefahren von Asbest und rissen die Belege ohne Schutzvorkehrungen heraus, sagt Staben. Dabei gelangen die krebserregenden Fasern in die Atemluft. Edi-Hausbesitzer müssen nicht sofort aktiv werden. „Solange man nicht an die Belege herangeht, ist es relativ ungefährlich“, sagt Jutta Staben. Bei einer grundlegenden Sanierung sei aber eine fachgerechte Entfernung und Entsorgung wichtig. „Selbst Bodenleger wissen das oft nicht“, sagt Jutta Staben.

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