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Zwischenbilanz : Echte Chance für Langzeitarbeitslose

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Förderprogramm des Jobcenters setzt auf spezielles Training.

Neumünster | Andreas Barz (57) lebte lange im Ausland und nach seiner Rückkehr von Hartz IV und Ein-Euro-Jobs bei der Diakonie. Das Programm „Arbeiten und Leben in Neumünster“ eröffnet dem gelernten Bäcker jetzt eine echte berufliche Perspektive. Seit dem 1. Oktober ist der Tungendorfer als Hausmeister bei der Firma Bestway beschäftigt – unbefristet und in Vollzeit.

„Wir suchten eine versierte und engagierte Kraft“, sagt Malte Ohnesseit, der Geschäftsführer von Bestway. Seit drei Jahren hat die Niederlassung des chinesischen Herstellers von aufblasbarem PVC-Spielzeug ihren Sitz in der Kösterschen Villa an der Parkstraße 11.

Bestway-Mitarbeiterin Caren Woelke war durch eine Information der Wirtschaftsagentur neugierig auf das Projekt geworden. Sie wandte sich direkt an Andreas Pellner, der beim Jobcenter Betriebe für das Projekt akquiriert. Pellner hat seit dem Projektstart am 1. Juli einen Pool an möglichen Bewerbern aufgebaut und konnte der Firma Bestway beim dritten Versuch mit Andreas Barz den richtigen Kandidaten liefern.

Barz überzeugte beim Vorstellungsgespräch und bekam nach einem erfolgreichen Praktikum die ersehnte Festanstellung. Das Besondere am Programm ist nicht einmal die finanzielle Förderung. Das Jobcenter zahlt dem einstellenden Unternehmen einen gestaffelten Lohnkostenzuschuss, der innerhalb von zwei Jahren von 75 auf 0 Prozent abschmilzt. Neu ist das individuelle Coaching der Teilnehmer und der Betriebe durch Erwin Srugies. Er ist mindestens einmal in der Woche im Betrieb und sichert durch seine Begleitung den Integrationserfolg.

„Ich habe diese Chance sofort ergriffen. Wo kriegt man in meiner Lage und in meinem Alter sonst noch einen Job?“, sagt Andreas Barz. Für Thorsten Hippe, den Leiter des Jobcenters, ist Andreas Barz ein Musterbeispiel, „wie es funktionieren kann. Mit einem aufgeschlossenen Arbeitgeber, der Langzeitarbeitslosen eine Chance gibt, und einem Arbeitslosen, der motiviert ist.“ Andreas Barz erledigt bei Bestway ganz klassische Hausmeistertätigkeiten von der Gartenarbeit über Besorgungen bis zur Instandhaltung und kleineren Reparaturen. Sein Chef Malte Ohnesseit ist mehr als zufrieden. „Alle Vorurteile gegen Langzeitarbeitslose und Arbeitslose allgemein wurden widerlegt. Das ist ein tolles Projekt, gerade für kleine und mittlere Unternehmen“, sagt Ohnesseit.

Auch Jobcenter-Chef Thorsten Hippe spricht von einem Erfolg: „Für 2015 waren zehn Arbeitsaufnahmen geplant, jetzt sind es schon 13, bald 16.“ Die Nachfrage von interessierten Firmen sei so groß, dass das Jobcenter schon zusätzliche Bundesmittel beantragt hat. Hippe hofft, das Programm auch nach dem Auslaufen der Fördermittel von Bund und Europäischen Sozialfonds fortsetzen zu können.

STANDPUNKT

Bilanz kann sich sehen lassen

Das Programm  „Arbeiten und Leben in Neumünster – Arbeitgeber in und um Neumünster für Neumünster“ (so der vollständige Name) klingt zwar sperrig, funktioniert in der Praxis aber gut. Als entscheidender Faktor entpuppt sich die individuelle Betreuung und das Coaching.  Das lässt auf Fortsetzung hoffen, wenn die finanzielle Förderung in zwei Jahren ausläuft.


 

 

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erstellt am 10.Dez.2015 | 17:30 Uhr

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