zur Navigation springen

Digitale Herausforderung : ECE-Chef Otto setzt auf Einkaufs-Apps

vom

Der Online-Handel boomt, doch die Einkaufszentren halten Schritt. Zumindest der Marktführer ECE aus Hamburg lässt die digitalen Welten in seine Shopping-Malls einziehen. Apps sollen den Bummel begleiten.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 11:54 Uhr

Neumünster | Die Shopping-Zentren in Europa stehen nach Einschätzung des ECE-Chefs Alexander Otto vor einem entscheidenden Wandel. „An den Einkaufszentren geht der Einfluss des Digitalen auf die Gesellschaft nicht vorüber. Darauf werden wir reagieren“, sagte Otto. ECE entwickelt, baut, vermietet und managt seit 1965 Einkaufszentren. Mit 189 Anlagen im Management ist das Unternehmen europäischer Marktführer der Einkaufsgalerien und betreut rund 21 Milliarden Euro Einzelhandelsumsatz. In Neumünster plant ECE zurzeit das Einkaufszentrum Holsten-Galerie in der Innenstadt.

In zwei Einkaufszentren in Hamburg und Essen testet ECE aktuell Apps für mobile Endgeräte, die den Kunden beim Eintritt in die Shopping-Mall über Neuigkeiten aus den Läden sowie Rabatt-Aktionen informiert. Außerdem können die Nutzer Angebote in ihren sozialen Netzwerken teilen. „Die Reaktionen und Nutzerzahlen für die Apps sind bereits ermutigend, so dass derartige Angebote auch in anderen Centern geplant sind“, berichtete Otto.

Der Online-Handel, der dem traditionellen stationären Einzelhandel Umsatz abnimmt, bleibt eine Herausforderung für die Branche. So sollten allein im Weihnachtsgeschäft von knapp 81 Milliarden Euro Gesamtumsatz in Deutschland rund 8,5 Milliarden Euro aus dem Online-Handel kommen, dies wäre ein Plus von 15 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Dem ECE-Chef ist aber um die Zukunft der Zentren nicht bange. „Wir müssen uns immer wieder neu auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen - das ist aber schon seit Jahrzehnten unsere besondere Stärke“, ergänzte der ECE-Chef.

Eine Konsumstudie der ECE mit der Unternehmensberatung Roland Berger hatte ergeben, dass selbst die Internet-Generation („Digital Natives“) in Boutiquen, Warenhäusern und Shopping-Malls einkauft, weil dort direkt an- und ausprobiert werden kann. „Einkaufszentren müssen Erlebniszentren sein“, sagte Otto. Dazu beitragen könnten Modeschauen, Gewinnspiele, Bastelkurse für Kinder oder Sportevents für Jugendliche. Alexander Otto ist der jüngste Sohn des Versandhauskönigs Werner Otto (1909-2011), der einst auch die ECE gründete. Alexander Otto ist auch Mitglied des Aufsichtsrats der Otto Group.

In Deutschland ist ECE in mehreren Projekten engagiert: Im Herbst 2014 soll in Stuttgart zunächst das Einkaufszentrum eines Quartiers mit Hotel, Büros und Mietwohnungen eröffnet werden. In Kaiserslautern und Neumünster werden ebenfalls Verkaufsflächen erschlossen, in Ludwigsburg ein altes Center modernisiert.

In Neumünster ist die geplante Holsten-Galerie auf der Zielgeraden: Der geplante Baubeginn ist im Frühjahr, die Eröffnung dann im Herbst 2015. Für 145 Millionen Euro entstehen dann auf 22.800 Quadratmetern Verkaufsfläche etwa 90 Fachgeschäfte.

In der Türkei, nach Spanien der aktuell größte ECE-Auslandsmarkt, soll bis Herbst 2015 ein Shopping-Center mit mehr als 100.000 Quadratmeter Mietfläche und mehr als 240 Shops entstehen. „In der Türkei entwickelt sich eine einkommensstarke Mittelschicht“, berichtete Otto. Europaweit hat ECE rund 14 Projekte in Bau und Planung, was einem Volumen von vier Milliarden Euro entspricht.

Zum Kauf renovierungsbedürftiger Shopping-Zentren mit „Wertsteigerungspotenzial“ soll im nächsten Jahr voraussichtlich ein weiterer Fonds für Investoren im Volumen seines Vorgängers (775 Mio Euro Eigenkapital) aufgelegt werden, wie der ECE-Chef ankündigte.

Denn fast 90 Prozent des Gesamtkapitals des ersten ECE-Fonds sind investiert worden, unter anderem 2013 erstmals in Dänemark. In Odense kam ein Einkaufszentrum für 400 Millionen Euro hinzu. Als attraktiv für Ankäufe sieht Otto aktuell den italienischen Einzelhandelsmarkt an - mit konsumfreudigen Käufern auch im Luxussegment.

Bei ECE gewinnt auch das Geschäft mit Bürogebäuden, Hotels, Wohnquartieren und Logistikimmobilien an Bedeutung. In Hamburg ist das Unternehmen unter anderem für die neue Philips Deutschlandzentrale nahe des Flughafens und für einen Neubau für die Verwaltungsberufs-Genossenschaft VBG am Barmbeker Bahnhof verantwortlich. Es ist auch an den Wohnungsbauprojekten „Mitte Altona“ und „Alstercampus“ beteiligt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen