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Infektions-Szenario : Ebola: „Wir gehen auf Nummer sicher“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Was passiert wenn: Stadt, FEK, Gesundheitsamt und Katastrophenschutz sind gerüstet für ein „sehr unwahrscheinliches“ Szenario

Neumünster | Das Szenario ist denkbar: Jemand kommt nach einem Auslandsaufenthalt nach Neumünster und fühlt sich nicht wohl. Er bekommt hohes Fieber. Könnte es Ebola sein? Was passiert im Falle eines solchen Verdachts? „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass so etwas geschieht“, sagt Joachim Huske, stellvertretender Fachdienstleiter Gesundheit. „Doch wir gehen auf Nummer sicher“, sagt er und ist sich einig mit Bernd Schümann vom Katastrophenschutz, Karl-Heinz Herrmann, Abteilungsleiter Rettungsdienst der Feuerwehr und Frauke Strahlendorf-Elsner, Leiterin des FEK-Zentrallabors. Die Ablaufpläne und Informations-Meldeketten stehen fest, sagten sie.

Alle Beteiligten betonen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung sehr gering ist. „Nur Personen, die direkt mit Patienten in Kontakt waren und aus den Risikogebieten kommen, können sich angesteckt haben“, sagt Frauke Strahlendorf-Elsner. Das sind Sierra Leone, Liberia, Guinea und der Kongo. Ein zweiter Faktor schränkt die Wahrscheinlichkeit weiter ein: „Alle Ebola-Erkrankten außerhalb dieser Gebiete sind namentlich bekannt und werden streng überwacht. Es gibt also keinen Patienten, dem man zufällig über den Weg laufen kann. Jeder, der hohes Fieber wie bei einer Grippe hat, kann sich an den Fingern abzählen, dass er eben nur Grippe hat“, betont Huske.

Außerdem greifen bereits außerhalb von Neumünster engmaschige Kontrollsysteme wie beispielsweise auf dem Flughafen Brüssel, erklären Herrmann und Schümann. „Da wir keinen Hafen oder Flughafen haben, ist diese Gefahr sehr gering. Auch Flüchtlinge sind nicht das Problem, denn sie kommen nicht aus den Risikogebieten“, betonen sie. Trotzdem sind alle Beteiligten für eine mögliche Gefahrensituation gerüstet. Bei einem Verdacht auf eine Ebola-Infektion greift das Alarmsystem, wie es bereits für hochinfektiöse Krankheiten wie Sars (infektiöse Atemwegskrankheit), Cholera oder Gelbfieber vorliegt. Entsprechende Ablaufpläne liegen bei der Feuerwehr, dem Katastrophenschutz, der Stadt, dem Gesundheitsamt, dem FEK und der Polizei vor. „Wer den Verdacht hat, dass er infiziert ist, sollte auf jeden Fall zu Hause bleiben und sich telefonisch entweder beim Hausarzt oder bei der Leitstelle der Feuerwehr melden“, sagen die Zuständigen. Hausärzte sind inzwischen durch entsprechende Instruktionen über das Robert-Koch-Institut in Berlin, die Ärztekammer oder die Kassenärztliche Vereinigung sensibilisiert, sagt FEK-Sprecherin Maren von Dollen. Der Arzt oder der Disponent der Leitstelle fragen bei dem Patienten die Risikofaktoren ab: War er in einem Risikogebiet? Hatte er Kontakt mit einem Kranken? „Ansteckend ist nur ein Erkrankter. Wer keine Symptome hat, ist nicht ansteckend. Eine Infizierung geschieht ausschließlich durch direkten Körperkontakt“, erklärt Frauke Strahlendorf-Elsner.

Lässt sich der Verdacht nicht vollständig entkräften, greifen feste Ablaufpläne. Der Patient wird angewiesen, zu Hause zu bleiben. Das Gesundheitsamt, Katastrophenschutz-Abteilungen und die Polizei werden informiert. Letztere hält sich in Bereitschaft, falls Absperrungen errichtet werden müssten. „Wir gehen da auf Nummer sicher“, sagt Herrmann. Ziel ist es, die Kontakte des Patienten nach außen auf ein Minimum zu beschränken – in der Regel auf den Notarzt. Das Tropeninstitut in Hamburg wird alarmiert und lässt den Patienten abholen: „Das Land Falls der Rettungsdienst in Neumünster trotzdem tätig werden müsste, liegen in den Rettungswagen Schutzanzüge und Instruktionen bereit. Ein Transport ins FEK wird vermieden: „Der Patient sollte nur eine Station zwischen seinem Zuhause und dem Tropeninstitut haben – den Rettungswagen. Aus Seuchenschutzgründen ist ein Transport mit dem Hubschrauber ausgeschlossen“, sagen Maren von Dollen und die Laborleiterin.

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erstellt am 28.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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