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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 03:55 Uhr

Grossflecken : Durchfahrsperre in aller Munde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Streit um den Durchgangsverkehr beschäftigt die Neumünsteraner. Wir veröffentlichen weitere Leserbriefe vor dem Bürgerentscheid am 25. Mai.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Die Diskussion über den Durchgangsverkehr bleibt in der Stadt ein Top-Thema. Immer noch treffen Reaktionen beim Courier ein.

Erich Handrick:

Einfelder würden die Stadt meiden

Ich genieße es, zu Fuß zum Großflecken zu gehen. Besonders angenehm ist dabei, dass ich nicht auf das Auto angewiesen bin. Das war nicht immer so:

Weil das Haus meiner Großeltern in der Moltkestraße im Krieg zerstört wurde, sind wir nach Einfeld gezogen. Einfeld gehörte bis 1970 zum Kreis Rendsburg. Ich bin dort zur Schule gegangen und auch dort konfirmiert worden. Wie viele Einfelder wollte ich an kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen in Neumünster teilnehmen. Da aber der letzte Bus um kurz nach 22 Uhr fuhr, musste ich oft zu Fuß nach Einfeld gehen. Ich brauchte also dringend einen Führerschein und ein Auto. Mit 18 Jahren machte ich den Führerschein und kaufte mir zunächst einen Motorroller und später ein Auto.

Ich könnte mir vorstellen, dass viele Einfelder die Stadt meiden werden, wenn die Durchfahrt des Großfleckens verboten wird. Ich habe immer gehofft, das aus den „Einfeldern“ eines Tages „Neumünsteraner“ werden. Deshalb: Keine Sperre des Großfleckens.

Heinrich Klimek:

Schaut doch mal nach Freiburg!

Allmählich habe ich das Gefühl, hier wird eine Schmierenkomödie abgespult. Ich empfehle den Geschäftsleuten und erst recht unseren Ratsvertretern eine Dienstfahrt z.B. nach Freiburg. Dort ist zu erleben, wie eine attraktive Innenstadt ohne Autos – nur mit Straßenbahnen – die Menschen wie magisch anzieht und eine Stimmung schafft, von der wir hier nur träumen können. Kleine Lädchen mit Angeboten, bei denen sich die Neumünsteraner Otto Normalverbraucher die Augen reiben würden, sind an fast jeder Ecke zu finden und locken Käufer von weither an. Für Neumünster aber gilt: Stopft die Innenstadt mit Autos voll, und die Menschen strömen in Heerscharen herbei, kaufen wie die Millionäre in St. Tropez, alles was gut und teuer ist und bewundern das ach so attraktive Neumünster! Wann endlich werden die Verantwortlichen wach und bauen die Innenstadt zu dem um, was es gerne sein möchte: ein Ort, den man nicht erst auf den zweiten Blick liebt, denn der zweite Blick schweift längst schon in die Ferne.


Jan Timmermann:

Großflecken kann ein Juwel werden

Ich bin sicher, dass die Belebung der Innenstadt und die Kundenfrequenz in den Geschäften auf dem Großflecken unmittelbar mit dem Individualverkehr zusammenhängt. Die Attraktivität von Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“ begründet sich stets auch mit der Erreichbarkeit und den Parkmöglichkeiten. Daraus abgeleitet sollte der Großflecken für den Verkehr geöffnet bleiben. Auf dem Südteil (zwischen Klatsch-Palais und Rathaus) könnte an marktfreien Tagen geparkt werden.

Daraus ergibt sich ein Zentrum, dass erreichbar ist und in unmittelbarer Konkurrenz zur grünen Wiese steht. Denn der große Platz wird bei dieser Nutzung auf einmal ein Juwel, dass andere Innenstädte so gar nicht haben, und die Innenstadt ist mit einem Schlag für die mit dem Auto anreisenden Besucher genauso attraktiv wie Dodenhof, DOC und zukünftig die Holsten-Galerie. Dies ist ein Vorteil, der nicht ungenutzt bleiben sollte. In Neumünster bewegt sich etwas, ganz klar. Bewegung bitte auch zukünftig auf dem Großflecken!

Jürgen Behrendt:

Worüber soll ich nur abstimmen?

Je näher der Moment der Entscheidung kommt, desto verwirrter werde ich, da ich immer noch nicht weiß, worüber ich abstimme. Es scheint, dass bei der Befürwortung der so genannten Verkehrsberuhigung (Ja ankreuzen) nur der Durchgangsverkehr für 365 Tage x 24 Stunden verhindert werden wird, aber 365 Tage x 24 Stunden weiterhin der Zielverkehr auf dem gesamten Großflecken möglich sein wird. Er wird lediglich durch die imaginäre Sperre bei Karstadt unterbrochen. Konkret: Ich kann vom Rathaus kommend auf dem Südabschnitt bis zu Bäcker Andresen fahren und dort einen Parkplatz suchen. Wenn ich ihn dort nicht finde, aber auf der Nordseite jenseits der gedachten Grenze einen erspähe, kehre ich also auf der Fahrbahn um, fahre durch die Holsten-, Marien-, Kloster-, Christianstraße usw., bis ich auf der anderen Seite angekommen bin. Ist dies die beabsichtigte Verkehrsberuhigung? Wann werden wir endlich aufgeklärt über den Unsinn der Sperrung?

Barbara Unterlehberg:

Für Knöllchen war auch Personal da

Ich benutze den Großflecken so gut wie nie zum Durchfahren, sondern befahre ihn selten mal zum Parken bei Karstadt oder der Alten Post. Ich benutze meistens den Ring – eigentlich immer ohne nennenswerte Staus. Dann kam letztes Jahr der Verkehrsversuch. Zu der Zeit musste ich fast täglich den Ring befahren, und vorbei war es mit dem Fahren ohne Stau. Wird der Großflecken für den Durchgangsverkehr gesperrt, wird es zwangsläufig wieder zu ständigen Staus auf dem Ring kommen. Die Leidtragenden sind dann neben den Autofahrern auch die Anwohner am Ring und die in den umliegenden Wohnstraßen.

So ist es für mich nicht einzusehen, dass, falls der Bürger für eine freie Durchfahrt des Großfleckens votiert, man künstlich durch Ampelschaltungen die Durchfahrt erschweren will oder muss, um so noch zwangsläufig größere Verkehrsbehinderungen zu schaffen. Der Großflecken ist verkehrsberuhigt durch Zone 20. Beim Verkehrsversuch war auch Personal da, um „Knöllchen“ zu vergeben, warum denn nicht auch für Geschwindigkeitsmessungen?

Ich kann die Ängste der Geschäftsleute verstehen, die neben einem gigantischen neuen Einkaufszentrum dann vielleicht auch noch mit neuen Verkehrskonzepten klar kommen müssen. Da wird in meinen Augen mit zweierlei Maß gemessen. Für ECE wird alles getan, für die ansässigen Unternehmen werden deren Bedenken nicht einmal Ernst genommen.

Mich ärgert auch die einseitige, den Bürger beeinflussende Bürgerinformation der Stadt und des Oberbürgermeisters zum Bürgerentscheid. Wird für die Antwortvariante „Ja“ fast eine ganze Seite aufgewendet, wird die Variante „Nein“ mit einem einzigen Satz abgespeist. Das ist in meinen Augen keine faire Bürgerinformation.

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