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Holsteinischer Courier

17. August 2017 | 00:06 Uhr

Drogen-Anbau in Ehndorf und der Gartenstadt

vom

Prozessauftakt vor dem Landgericht in Kiel

Neumünster/Ehndorf | Mitten in bürgerlichen Wohngebieten in unscheinbaren Einfamilienhäusern platzierte er seine Tatorte: Ein Niederländer (43) soll sowohl am Stoverseegen als auch am Großredder in Ehndorf über Monate Cannabis-Plantagen im großen Stil betrieben haben. Seit gestern muss sich der Mann vor dem Kieler Landgericht wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Laut Anklage begann die Sache 2011 in der Weihnachtszeit. Zuerst soll der Mann mit Hilfe eines Strohmanns über einen Neumünsteraner Makler das Haus in der Gartenstadt gemietet haben. Später kam das Haus in Ehndorf dazu. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft besorgte der Niederländer die Pflanzen und die technische Ausrüstung und setzte außerdem in jedem Haus einen Gärtner ein - beide Gehilfen waren Vietnamesen, die sich illegal in Deutschland aufhielten.

Beide sollten sich um die Pflanzen kümmern. Ihnen wurde laut Anklage untersagt, das jeweilige Gebäude zu verlassen. Stattdessen brachte der Angeklagte ihnen Lebensmittel. Dem Gehilfen (51) aus dem Haus in Neumünster soll der 43-Jährige als Lohn ein Flugticket nach Vietnam versprochen haben. Dessen in Ehndorf tätiger Landsmann (24) sollte 3000 Euro erhalten.

Offenbar ließen sich die professionell angelegten Drogen-Plantagen gut an. Im Februar 2012 wurde laut Ermittler am Stoverseegen das erste Mal geerntet: Zwölf Kilo Marihuana bester Qualität soll der Angeklagte damals zum Verkauf abgeholt haben.

Doch dann gab es Probleme: Die beiden so genannten Indoor-Plantagen fielen auf. Zum einen wurden laut Anklage andere Ganoven, die offenbar Streit mit dem Angeklagten hatten, auf die lukrativen Pflanzen aufmerksam. Am 2. Mai überfielen drei Männer den Gärtner in Neumünster und zwangen ihn mit Waffen, die Pflanzen zu ernten. Mehr als 24 Kilo Marihuana wurden in Kartons und Müllsäcke verpackt und in Schlafzimmer und Wintergarten zwischengelagert. Als zwei der Räuber ein Fahrzeug für den Abtransport holen wollten, gelang dem Vietnamesen die Flucht. Den Räubern wurde die Sache danach offenbar zu heiß: Sie suchten ebenfalls das Weite und nahmen in der Eile nur gut sieben Kilo der Drogen mit. Die fand die Polizei später bei einer Durchsuchung in Osnabrück. Was weder die Cannabis-Züchter noch die Räuber ahnten: Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hatten die Ermittler die beiden Einfamilienhäuser längst im Visier. Der Cannabis-Raub wurde sogar auf Video aufgezeichnet.

Einen Tag nach der Tat stürmten Einsatzkräfte schließlich das Haus in Ehndorf und nahmen den dort eingesetzten Gärtner fest. Auf zwei technisch bestens ausgerüsteten Feldern standen in den Zimmern 539 noch nicht ganz ausgereifte Cannabis-Pflanzen. Letztendlich ergaben sich daraus 20,2 Kilo Marihuana. In allen drei Fällen wurde die im Betäubungsmittelgesetz festgelegte, so genannte "nicht geringe Menge", von 7,5 Gramm reinen Wirkstoffs THC bei Weitem überschritten. In einem Fall spricht die Staatsanwaltschaft vom 242-fachen Wert. In der Anklage ist von "Marihuana sehr guter Qualität" die Rede.

Nach der Durchsuchung in Ehndorf lobten die Ermittler aufmerksame Anwohner, die die Beamten frühzeitig auf die Spur der beiden Plantagen gebracht hatten. So waren nach Auskunft von Nachbarn in Ehndorf zum Beispiel fast alle Fenster mit Wolldecken oder Plastik verhängt. Von Anwohnern angesprochen gaben sich die Fremden dort als Handwerker aus. Dazu passte aber nicht, dass Tag und Nacht große Mengen Blumenerde mit Pkw-Anhängern angeliefert wurden, während sich rund ums Haus nichts veränderte.

Der Angeklagte, der von den Niederlanden ausgeliefert wurde, schwieg gestern erst einmal zur Tat. Auch wenn er nach eigenen Angaben die deutsche Sprache gut versteht, soll ihm am nächsten Verhandlungstag ein Dolmetscher zur Seite gestellt werden. Warum die Plantagen gerade in Neumünster und Ehndorf waren, wurde am ersten Prozesstag nicht klar.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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