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Senioren im Visier : Dreiste Banden in Neumünster erfinden immer neue Tricks

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Sie stehlen Geld aus Portemonnaies und geben vor, in Not zu sein. In Neumünster treiben sich dreiste Banden um. Die Polizei befürchtet ein großes Dunkelfeld und bittet Opfer, sich zu melden.

Neumünster | Die Täter kommen zum Teil von weit her und bleiben oft nicht lange in der Stadt. Im Visier haben sie ältere Leute. Seit Jahren werden Senioren auch in Neumünster regelmäßig Opfer von dreisten Betrügern. Auch wenn die Polizei keine genauen Zahlen für diese Delikte hat, so ist dennoch klar: Die gemeine Masche reißt nicht ab. Und das Dunkelfeld ist groß.

Das zeigt auch der jüngste Fall, der die Kriminalpolizei zurzeit beschäftigt: Mindestens von Mitte August bis Anfang September trieb ein Trio aus Osteuropa in der Stadt sein Unwesen. Unterwegs war es mit einem Fahrzeug mit Hannoveraner Kennzeichen. Der Trick: Auf Supermarktparkplätzen baten die beiden Männer (20 und 21) und eine Frau (17) ältere Leute um Wechselgeld für den Einkaufswagen, um dann schnell Geldscheine aus dem Portemonnaie zu ziehen. Am 11. August hatte die Gruppe Erfolg. Am 28. August scheiterten die Drei auf dem Aldi-Parkplatz an der Rendsburger Straße an einem wehrhaften Senior, der den Tätern das Geld wieder entriss. Wenig später wurden sie festgenommen und konnten nach Feststellung der Personalien und ersten Befragungen wieder gehen. Besonders dreist: Am 3. September gab es erneut einen Fall nach dem bekannten Modell. Wieder wurde ein Rentner um sein Geld gebracht.

Die Kripo, die weiterhin ermittelt, weiß mittlerweile, dass das Trio noch mehrere Versuche startete. Wahrscheinlich gibt es sogar noch weitere Opfer, die sich bisher vielleicht aus Scham nicht gemeldet haben. Um den Tätern langfristig das Handwerk legen zu können, bittet die Polizei weitere betroffene Senioren, sich zu melden – auch wenn vielleicht gar kein Schaden entstand.

Dass die meist in Banden organisierten Kriminellen immer wieder mit ihren Tricks Erfolg haben, liegt laut Polizeisprecher Rainer Wetzel am Ideenreichtum der Täter. So haben sie immer wieder neue Varianten auf Lager. Zurzeit sind in der Innenstadt zum Beispiel dubiose Sammler unterwegs, die mit Klemmbrett und Werbematerial unter dem Arm vorgeben, für gemeinnützige Organisationen tätig zu sein. Letztendlich geht es laut Wetzel auch in diesen Fällen darum, das Opfer abzulenken, um an sein Bargeld zu kommen.

Auch der altbekannte Enkeltrick funktioniert laut Polizei leider immer wieder. Dabei gibt ein Anrufer vor, dass ein Verwandter Geld benötige. Ein vermeintlicher Bekannter holt dann die vereinbarte Summe ab. „Die Anrufe kamen auch schon mal aus Rumänien. Die Mittäter warteten dann in der Stadt auf ihren Einsatz“, weiß Rainer Wetzel. Weitere Varianten sind falsche Stromableser, die versuchen, in die Wohnungen älterer Leute zu kommen. Oder die Täter wollen sich mit der Bitte um ein Glas Wasser oder die Toilettenbenutzung Zugang verschaffen, um Geld oder Schmuck einstecken zu können.

Die Polizei rät zu einem gesunden Misstrauen gegenüber Fremden und bittet, nicht nur Taten sondern auch Verdachtsfälle anzuzeigen. Denn die Vorweihnachtszeit kommt erst noch und damit auch neue Tricks. Die Täter setzen dann zusätzlich auf das weiche Herz ihrer Opfer – oft mit Erfolg.

Kommentar: Eine skrupellose Methode

Es ist eine miese Masche. Wer gezielt ältere Menschen als Opfer ins Visier nimmt, handelt absolut skrupellos. Den Tätern ist das egal. Sie wollen möglichst problemlos Beute machen. Helfen können neben der Polizei sicher nur Angehörige. Wer mit älteren Familienmitgliedern oder Nachbarn engen Kontakt hält, kann ein wachsames Auge haben und eingreifen, wenn etwas nicht stimmt.

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erstellt am 20.Sep.2014 | 05:00 Uhr

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