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Geschenke rechtzeitig liefern : Drei Minuten pro Halt: So läuft der Weihnachtsmarathon eines Paketboten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fynn Schweiger hat reichlich zu tun, damit die Neumünsteraner ihre Sendungen rechtzeitig zum Fest bekommen. shz.de hat ihn begleitet.

Neumünster | Fynn Schweiger (21) befindet sich zurzeit im Dauerlauf. Ebenso wie seine Kollegen bekommt er das Weihnachtsgeschäft in diesem Tagen hautnah zu spüren. Denn der junge Neumünsteraner ist Paketzusteller. Und das heißt: Akkordarbeit – je näher das Fest rückt, desto mehr hat er auszuliefern.

Es ist kalt und noch dunkel. Mit einem „Rumms“ schließt eine Tür, eilig entfernen sich Schritte. Eine Türklingel schellt, keiner öffnet. „Niemand zu Hause. Ein Ablageort wurde nicht genannt, also muss die Kundin das Paket bei der nächsten Filiale selbst abholen.“ Fynn Schweiger zieht seinen handlichen Scanner vom Gürtel und fährt mit dem Mini-Computer über den Strichcode des mit Pferde-Stickern beklebten Pakets. Routiniert gibt er ein paar Daten in ein anderes kleines Gerät ein und druckt einen Zettel aus. Flugs die Unterschrift darunter gesetzt und ab in den Hausbriefkasten.

Jetzt weiß die Kundin, wann und wo sie ihr Paket abholen kann. Fynn Schweiger wuchtet den riesigen Karton hoch und geht strammen Schrittes zurück zu seinem gelben Lieferwagen.

Im Laderaum sortiert Fynn Schweiger die Pakete nach Straßen.
Im Laderaum sortiert Fynn Schweiger die Pakete nach Straßen. Foto: Bury

„Im Dezember ist die Paketmenge wesentlich größer als sonst. Heute muss ich 165 Pakete ausliefern, das sind ungefähr 120 Stopps“, erklärt Fynn Schweiger. Ein Stopp ist der Halt beim Empfänger, wo ein oder mehrere Pakete abgegeben werden. „Letztens hatte ich 175 Stopps, da ist man ganz schön am Rennen“, so der junge Zusteller.

„In der Adventszeit verdoppelt sich die Menge an Paketen. Pro Tag werden bundesweit etwa 7,5 Millionen Pakete ausgefahren. Regulär haben wir etwa 3,5 Millionen am Tag“, erklärte Martin Grundler, Pressesprecher der Deutschen Post. Um die enorme Masse zu bewältigen, sind seit Oktober bundesweit etwa 10.000 Zusteller zusätzlich im Einsatz, vier davon in Neumünster. Für Fynn Schweiger ist das eine Entlastung: „So habe ich meistens um 15.45 Uhr Feierabend. An richtig heißen Tagen kann es aber auch mal sein, dass ich zehn Stunden unterwegs bin.“

Während er erzählt, schiebt der ehemalige Holstenschüler im Laderaum die nächsten Pakete nach vorne. Seine Tour ist heute in Gadeland. „Das ist eine gute Ecke. Da schafft man etwa 30 Stopps in der Stunde“, meint Fynn Schweiger. Im Krogredder trifft er Maike Schauffert vor ihrer Haustür an, übergibt ihr ein Päckchen und lässt sich den Erhalt quittieren. „Etwas Hübsches zum Anziehen für Weihnachten“, sagt sie lachend, während Fynn Schweiger schon wieder im Transporter sitzt.

Maike Schauffert quittiert den Empfang ihres Paketes.
Maike Schauffert quittiert den Empfang ihres Paketes. Foto: Bury

Üblicherweise hat er maximal drei Minuten pro Auslieferung zur Verfügung. „Da nervt es natürlich, wenn Autofahrer extrem langsam sind.“ Mit seinem über sieben Meter langem Wagen manövriert er sich geschickt auch durch schmale Straßen. „Manchmal muss man einfach in zweiter Reihe parken, insbesondere in der Stadt. Das ärgert natürlich andere Autofahrer – aber was soll ich machen?“, fragt er.

Fynn Schweiger muss seinen sieben Meter langen Wagen geschickt durch die Straßen manövrieren.
Fynn Schweiger muss seinen sieben Meter langen Wagen geschickt durch die Straßen manövrieren. Foto: Bury

Die meisten Kunden sind freundlich, Ärger hat der Tungendorfer in den 14 Monaten seiner Anstellung bisher kaum gehabt. Um 9.30 Uhr gibt es die erste Aufmerksamkeit eines Kunden, ein weihnachtliches Päckchen. „Ich mag meinen Job. Solange ich noch nicht weiß, was ich studieren will, mache ich erst mal weiter.“ Die Tür geht zu und ab geht die Post.

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erstellt am 17.Dez.2015 | 17:22 Uhr

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