Neumünster : Drei Jahre Haft für schamlose Abzocke

justitia

Ein Pärchen erkannte die Blauäugigkeit eines 66-Jährigen und nutzte diese schamlos aus.

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11. Juli 2018, 08:45 Uhr

Er war wohl das ideale Opfer: Walter Danner (66, Name geändert ) hat sein ganzes Leben als einfacher Landarbeiter geschuftet. Schriftliche Dinge waren nicht seine Sache, Vertragsangelegenheiten und Bankgeschäfte schon gar nicht. Pech für ihn, dass er 2016 ein Gaunerpärchen kennenlernte, das sich im komplizierten Geflecht von Handy-Verträgen, Kreditkartenhandel und bargeldloser Bezahlung um so heimischer fühlte.

Das Pärchen erkannte schnell die verblüffende Blauäugigkeit des neuen Freundes und schob ihm innerhalb von nur gut zwei Monaten zahlreiche Handy-Verträge, Kreditkartenanträge und Ratenkäufe unter. Handys im Wert von über 1000 Euro, Kreditkarten und Möbel landeten in der Wohnung beziehungsweise in der Brieftasche des Pärchens, belastet wurde ausschließlich das Konto des inzwischen schwerbehinderten Rentners. Über zweieinhalb Monate machte sich das Pärchen einen schönen Lenz – inklusive neuem Mercedes, der selbstredend auf den Namen Danners zugelassen und auch versichert war. Gesamtschaden: rund 22 000 Euro.

Erst der aufmerksame Angestellte der VR-Bank-Filiale in Wittorf wurde stutzig: Ihm war aufgefallen, dass das bislang eher unauffällige Gehaltskonto des Rentners plötzlich lebhafte Sprünge ins Minus verzeichnet – immer dann nämlich, wenn der Rentner mit seinem neuen Bekannten auftauchte. Der Bankangestellte nahm den Kunden beiseite und mahnte ihn vorsichtig, nichts voreilig zu unterschreiben. Als das nicht fruchtete, wandte er sich nach Rücksprache mit seiner Zentrale an die Kripo. Dort nahm man sich der Sache an und bekam alsbald Unterstützung durch Kommissar Zufall: Die Frau des gaunerischen Ehepaars hatte ihre Brieftasche verloren, die prompt bei der Polizei abgegeben worden war. Darin befand sich neben Adresse und Name des Pärchens auch eine ganze Batterie an Kreditkarten auf den Namen Walter Danner.

Die Kripo setzte eine Wohnungsdurchsuchung bei dem Pärchen durch und stieß dort auf ganze Berge von Post an Walter Danner.

Wie der Rentner gestern als Zeuge vor Gericht bestätigte, hatte er offensichtlich längst die Übersicht über die Geschäfte verloren, die das Pärchen in seinem Namen betrieb. Die ungeöffnete Post nahm das Pärchen bei ihren regelmäßigen Besuchen bei dem Rentner mit.

Die Frau des inzwischen geschiedenen Gaunerpärchens ist bereits wegen Betrugs verurteilt. Gestern musste sich nun ihr 58-jähriger Ex  vor dem Schöffengericht verantworten. Fast sechs Stunden verwendeten die Prozessbeteiligten darauf, herauszufinden, welcher der beiden Ex-Ehepartner welchen Anteil an den betrügerischen Machenschaften hatte. Letztlich hielt das Gericht zwölf einzelne Betrugsfälle für erwiesen, die es dem Mann zurechnete. Weil der Angeklagte mehrfach und erheblich einschlägig vorbestraft ist und die neuen Taten unter laufender Bewährung erfolgten, gab es ein schieres Urteil: Drei Jahre Haft ohne Bewährung.

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