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Holsteinischer Courier

18. Oktober 2017 | 22:44 Uhr

G8 und G9 : Doppel-Abi wird zur Herausforderung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

1136 Schüler wollen in diesem Jahr ihr Abitur machen. Der Wettbewerb um Studien- und Ausbildungsplätze steigt.

von
erstellt am 03.Feb.2016 | 07:00 Uhr

Neumünster | Es ist eine besondere Situation: In diesem Jahr geht in Neumünster ein Doppeljahrgang mit insgesamt 1136 Schülern ins Abitur. Im Vorjahr waren es nur 844. Das entspricht einem Plus von rund 35 Prozent. Die große Zahl wirkt sich nicht nur auf die Arbeitsbelastung der Lehrer aus, sondern ab dem Sommer auch auf den Ausbildungsmarkt und die Universitäten im Land.

Der Grund für die geballte Zahl ist das G8-System, das 2008 in Schleswig-Holstein eingeführt wurde und in acht statt neun Jahren zum Abitur führt. In Neumünster sind vom doppelten Abiturjahrgang die Immanuel-Kant-Schule (IKS), die Holstenschule und die Alexander-von-Humboldt-Schule (AHS) betroffen. Das vierte Gymnasium in der Stadt, die Klaus-Groth-Schule, hatte bereits im Jahr 2001 das Turbo-Abitur eingeführt und damit landesweit eine Vorreiterrolle eingenommen.

Die große Zahl an Schulabgängern wird in diesem Jahr nicht nur für einen Ansturm auf die Universitäten sorgen, sondern auch den Kampf um Ausbildungsplätze verschärfen. Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur an der Wittorfer Straße blicken der Situation jedoch entspannt entgegen: „Wir sehen durch den doppelten Abiturjahrgang keine großen Verzerrungen. Die Kollegen sind darauf vorbereitet, dass mehr Abiturienten als sonst auf sie zukommen werden. Allerdings wird der größte Teil vermutlich ein Studium anstreben. Zudem gibt es bei vielen jungen Menschen die Tendenz, nach dem Abitur erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr, Praktika oder Auslandsaufenthalte zu absolvieren“, sagt Pressesprecherin Andrea Julke.

Auch Herbert Reinecke von der Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer rechnet damit, dass viele Abiturienten studieren wollen: „Alle anderen werden in diesem Jahr gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben. Dadurch wird dementsprechend aber auch ein Druck auf schwächere Schulabgänger bestehen.“

Beim Unternehmensverband Mittelholstein blickt man mit Freude auf die hohe Zahl potenzieller neuer Arbeitskräfte: „Wir haben die Unternehmen nicht befragt. Aber wenn jetzt ein Jahrgang kommt, der die Betriebe stärker mit Bewerbern versorgt, kann das nur positiv sein“, sagt Peer Scholz.

Auch die Geschwisterpaare Luisa (17) und Jonas Jöhnck (19) aus Boostedt und Josie (18) und Brian Albert (17) aus Großenaspe wollen im Sommer an der Holstenschule ihr Abi machen. Das Kuriose: Jeweils ein Geschwisterteil wird nach acht Jahren am Gymnasium Abitur machen, das andere nach neun. Sorgen um die Zukunft machen sie sich aufgrund der vielen Konkurrenten nicht. „Ich habe eh noch keine konkreten Pläne“, sagt Josie Albert. Jonas Jöhnck weiß dagegen genau, wie es weitergehen soll: „Ich werde erstmal für ein Jahr als Au-Pair nach Amerika gehen. Danach möchte ich zur Polizei.“ 
 

 

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