Flüchtlinge : Dolmetscher helfen bei ersten Kontakten

Einst waren sie selbst Asylbewerber. Murat Kaya (links) und Sirwan Baban arbeiten als Dolmetscher in der Landesunterkunft.
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Einst waren sie selbst Asylbewerber. Murat Kaya (links) und Sirwan Baban arbeiten als Dolmetscher in der Landesunterkunft.

Seit 16 Jahren betreut das DRK die Flüchtlinge in der zentralen Unterkunft. Die Aufgaben wachsen

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07. November 2014, 07:00 Uhr

Neumünster | Seit 16 Jahren verantwortet der DRK-Kreisverband Neumünster die Flüchtlingsbetreuung in der Landesunterkunft am Haart. Die sprunghaft gestiegene Zahl der Asylsuchenden bedeutet für die Angestellten und die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer eine große Herausforderung. Auch bei der Aufklärung der Öffentlichkeit.

Vorstand Sven Lorenz und Präsident Axel Steinbach hatten deshalb Sirwan Baban und Murat Kaya zur Kreisversammlung am Mittwochabend eingeladen. Beide Kurden, einer aus dem Irak, einer aus der Türkei, waren selbst Asylsuchende.

Heute arbeiten sie als Dolmetscher in der Landesunterkunft. In acht verschiedenen Sprachen unterstützen die beiden fließend deutsch sprechenden Männer Asylsuchende während der medizinischen Erstuntersuchung. Die große Erleichterung der Flüchtlinge, auf jemanden zu treffen, der sie versteht und die interkulturellen Zusammenhänge ihrer Heimat kennt, spüren die beiden Übersetzer bei jedem Gespräch. „Die meisten Flüchtlinge realisieren erst nach drei Tagen, dass sie in Sicherheit sind und für die Hilfe nichts bezahlen müssen“, erzählte Baban.

Denn dass eine Flucht teuer ist, weiß der Iraker aus eigener Erfahrung. Über 20 000 Dollar musste er vor 18 Jahren für sich und seine Familie an Schleuser zahlen, um unter lebensbedrohlichen Umständen über Umwege nach Deutschland zu fliehen.

Heute habe sich die Situation noch einmal drastisch verschärft, berichtete Baban. Viele Menschen würden von Schleusern gezwungen, ihre Flucht mit einer Niere oder der Zwangsprostitution ihrer Frauen und Töchter zu bezahlen.

Murat Kaya konnte die schlimmen Umstände in seinem Vortrag bestätigen. Um so mehr begrüßte er die „hervorragende Arbeit“ des DRK in der Landesunterkunft. Nach Ansicht Kayas sei sie „beispielhaft für ganz Deutschland“.





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