Rickling : Diskussion um Halfmann: Wichtige Fragen wurden nicht beantwortet

Dr. Klauspeter Reumann
Dr. Klauspeter Reumann

Die Experten brachten noch keine Klarheit zur Vergangenheit des Geistlichen, nach dem in Rickling ein Saal benannt ist.

shz.de von
24. März 2014, 05:30 Uhr

Rickling | War Bischof Wilhelm Halfmann ein Unterstützer des Faschismus’ oder nicht? Der Landesverein für Innere Mission will Klarheit schaffen und lud zu einer Vortragsveranstaltung ein.

Es gibt viele Fragen um den 1964 verstorbenen Geistlichen, die viele Ricklinger geklärt wissen wollen. Dr. Stephan Linck, Gedenkstättenbeauftragter der Nordkirche, bezeichnet Halfmann in seinem jüngsten Buch als „Wegbereiter der Nationalsozialisten und Förderer der SS“ (der Courier berichtete). Daraus resultierte ein großer Aufschrei. „Wir werden dennoch nicht unseren Saal umbenennen, sondern wollen uns offen und transparent damit auseinandersetzen“, sagte Pastor Rüdiger Gilde, Direktor des Landesvereins.

Deshalb kam Dr. Klauspeter Reumann, Historiker aus Flensburg, als Referent nach Rickling. Er hat den Kirchenkampf in Schleswig-Holstein von 1933 bis 1945 aufgearbeitet und sich aus aktuellem Anlass noch mal speziell mit Bischof Wilhelm Halfmann befasst.

„Wenn ich an geistliche Wegbereiter des Nationalsozialismus’ denke, fallen mir viele Namen ein, aber nicht Halfmann. Er würde mir überhaupt nicht in den Sinn kommen“, führte Reumann vor 70 Zuhörern aus. Als Leiter der Bekennenden Kirche in Schleswig-Holstein habe Wilhelm Halfmann in Vorträgen und Predigten sogar „kämpferisch und wortscharf“ gegen die Deutschkirche das Wort erhoben und regelmäßig öffentlich, wenn auch theologisch verpackt, für Aufklärung gesorgt. Übrigens auch in seiner Schrift „Die Kirche und der Jude“.

„Das hatte nichts mit der Kirchenpolitik zu tun. Der Titel war ausgedacht, denn nur so konnte er öffentlich auftreten und seine Schrift verbreiten“, sagte Dr. Reumann. Nichtsdestotrotz habe Halfmann die Nürnberger Gesetze von 1935, die Juden als deklassiert einstuften, anerkannt. „Allerdings aus rein religiösen, nicht aus rassistischen Gründen. Dass die Juden Jesus nicht als Sohn Gottes, sondern als einen Propheten unter vielen ansahen, war das einzige, das er den Juden vorwarf“, erzählte der Referent. Halfmann habe sich stets in aller Deutlichkeit vom Antisemitismus und allem Rassistischen distanziert.

Vielen Zuhörern reichte das nicht. „Wenn er die Nürnberger Gesetze anerkannt hat, dann hat er auch über Jahre den Faschismus unterstützt“, meinte einer. Für Zuhörerin Renate Selzer war alles Gehörte sehr verwirrend. „In der Presse liest man es so, und hier hört man das Gegenteil“, sagte die Ricklingerin, die sich Aufklärung wünscht. Wichtige Fragen, etwa, ob Wilhelm Halfmann Mitglied der NSDAP, ob er wirklich Förderer der SS war und warum er weder beim Militär war noch eingezogen wurde, konnte auch Dr. Reumann nicht beantworten. Er schließe nicht aus, dass der Bischof in einer Randorganisation, zum Beispiel im Nationalsozialistischen Motorradkorps, Mitglied war. Damit müsse man immer rechnen.

Zu Lincks Niederschrift sagte Reumann: „Wir können als Historiker nur mit dem überlieferten Material arbeiten, das uns zur Verfügung steht, müssen damit aber äußerst vorsichtig operieren.“ „Ich denke, dass Wilhelm Halfmann weder Held noch Widerstandskämpfer war, er aber mit gehöriger Graufärbung zwischen Schwarz und Weiß mitgeschwommen ist, was für uns aus heutiger Sicht kaum vorstellbar ist“, fasste Gilde zusammen. Besonders interessant dürfte es aber am 9. April um 19 Uhr im Saal am Fichtenhof werden. Dann kommt der Auslöser des Halfmann-Eklats, Dr. Stephan Linck, nach Rickling. Er hat Gelegenheit, seine Niederschrift in einem Vortrag zu erläutern.



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