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Gartenstadt : Discounter zieht seine Pläne zurück

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Norma“ verzichtet auf den Neubau neben dem Gemeinschaftshaus / Gesperrte Fußgängerbrücke verärgert Schuleltern

von
erstellt am 28.Jan.2014 | 14:57 Uhr

Die Pläne für einen neuen Einkaufsmarkt in der Gartenstadt haben sich vorerst zerschlagen. Die Discounter-Kette „Norma“ hat kein Interesse mehr an einer Bebauung der Wiese neben dem Gemeinschaftshaus an der Domagkstraße. Das ergibt sich aus einem Schreiben der Stadtplanung, das Stadtteilvorsteher Martin Kriese am Mittwochabend auf der Beiratssitzung im Gemeinschaftshaus verlas.

Während die Gegner des Marktes die Nachricht mit Applaus quittierten, mahnten andere Zuhörer, das Thema Nahversorgung jetzt nicht einfach zu den Akten zu legen. Im Stadtteil würden auch viele ältere Menschen leben, die auf Einkaufsmöglichkeiten in der Nachbarschaft angewiesen seien. „Wir dürfen die Älteren nicht einfach abkoppeln,weil wir vor unserer Haustür mehr Verkehr befürchten“, mahnte der frühere Ratsherr Friedhelm Brandt. Es gelte nach wie vor, nach einen Kompromiss zu suchen.

Zuvor hatte Dr. Wilfried Schlueter aus der Fraunhoferstraße noch einmal die Argumente der Gegner zusammengefasst: Bei einem Markt im Zentrum des Stadtteils müsste der Anlieferverkehr durch verkehrsberuhigte Zonen an der Grundschule und zwei Kindergärten vorbeirollen. Täglich sei mit 500 An- und Abfahrten von Einkäufern zu rechnen, wenn sich der Markt lohnen solle. Tatsächlich gebe es in der Gartenstadt aber keinen Bedarf für einen Discounter, meinte Schlueter.

Seit Monaten wird im Stadtteil um ein neues Lebensmittelgeschäft gestritten. Seit dem Aus für den kleinen Edeka-Markt am Nachtredder vor drei Jahren stehen fast 5200 Gartenstädter fast ohne Einkaufsmöglichkeit in Fußwegnähe da. Wer aus den Quartieren rund um den Osterhofpark einkaufen will, muss weite Wege in Kauf nehmen. Die nächsten Märkte liegen am Stoverweg (A&B-Center) oder am Hansaring (Edeka Meyer). Die Stadt sucht daher schon lange aktiv nach Investoren, die in der Gartenstadt einen neuen Markt eröffnen wollen. Gemäß Einzelhandelskonzept der Stadt dürfte er allerdings nur 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben – vielen Discountern ist das zu klein.

Für reichlich Ärger sorgt in der Gartenstadt weiterhin die gesperrte Fußgängerbrücke über die Bahn an der alten Rendsburger Straße. Wegen massiver Schäden an den beiden Betonaufgängen hatte die Stadt die Brücke bereits im vergangenen Oktober sperren lassen – und damit auch vielen Schulkindern aus dem Norden den sichersten Weg zur Gartenstadtschule abgeschnitten. Gespräche mit der Bahn über eine Reparatur verliefen bisher im Sande – zum Unwillen vieler Eltern, die den Umweg durch den Osterhofpark für gefährlich halten.

Ratsfrau Helga Bühse versprach in der Sitzung, demnächst im Bauausschuss nachzuhaken. Sollte es keine Perspektive für die Brücke geben, soll die Stadt darlegen, wie sich ein sicherer Schulweg durch den Osterhofpark herrichten lasse, forderte sie. Der Bauausschuss tagt am 6. Februar ab 17.30 Uhr im Rathaus.

COURIER-KOMMENTAR von Jens Bluhm

Es ist ein bisschen wie die Quadratur des Kreises. Vor allem (aber nicht nur) ältere Gartenstädter wünschen sich eine Einkaufsmöglichkeit am liebsten gleich um die Ecke. Wer dagegen ohnehin täglich mit dem Auto unterwegs ist, möchte auf den neuen Discounter mitten im Quartier gern verzichten. Denn natürlich würde der neue Markt mehr Verkehr, Lärm und Gefährdungen auf dem Weg zur Schule oder zur Krippe mit sich bringen. Beide Positionen sind verständlich, aber nur schwer miteinander in Einklang zu bringen. Eine Lösung wäre natürlich die Rückkehr zum Tante-Emma-Laden. Aber seien wir ehrlich: Wer ist bereit, auf Dauer höhere Preise zu zahlen, um das Überleben des Lädchens zu sichern? – Oder ist die Zeit doch reif?

 

 

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