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Diogenes-Quartett: Ein tolles Team aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Münchner Kammermusiker begeisterten im Theater auf ganzer Linie

„Göttlich!“ Treffender als Konzertbesucher Ulmar Nolde konnte man die Musik des Diogenes-Quartetts nicht beschreiben. Bereits zur Pause war der Neumünsteraner derart hingerissen, dass er keine langen Reden brauchte, um seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Ähnlich schien es dem restlichen Publikum zu ergehen. Andächtig und hochkonzentriert, viele mit geschlossenen Augen, lauschten sie den Klängen der vier Musiker während des anderthalbstündigen Konzertes im Theater in der Stadthalle.

Das 1998 gegründete Diogenes-Quartett hat sich der Kammermusik verschrieben. Ihr gehört seine ganze Begeisterung und seine große Leidenschaft. Davon legten die vier Streicher Stefan und Gundula Kirpal (beide Violine), Alba González i Becerra (Viola) und Stephen Ristau am Violoncello eindrucksvoll Zeugnis ab.

Auf Einladung des Kulturbüros spielten die Münchner vor 310 Besuchern Werke von Franz Schubert, Pierre-Dominique Ponnelle und Max Bruch. Auf bekannte Hits verzichteten die vier Ausnahmemusiker dabei gänzlich. Den Anfang machte Schuberts „Streichquartett C-Dur, D 46“, ein frühes Werk des Wiener Komponisten. Mit brillanten Läufen, perfekten dynamischen Abstufungen, fetzigen Unisono-Passagen und schön gespielten Melodien wurde der frühe Schubert zu einem echten Genuss für das begeisterte Publikum.

Und auch die Musiker schienen ihre Freude zu haben. Immer wieder lächelten sie einander zu. Seinen Höhepunkt fand das „Streichquartett C-Dur“ zweifelsohne im bravourös gespielten „Finale. Allegro“.

Danach wurde es zeitgenössisch. Der 1957 in München geborene Komponist Pierre-Dominique Ponnelle schrieb sein „Streichquartett Nr.1“ vor zehn Jahren. Wer auf schrille Töne wartete, tat das umsonst. Das Diogenes-Quartett meisterte sämtliche Schwierigkeiten, die das moderne Werk den Streichern abverlangte, äußerst elegant. Die vier Streicher erzeugten wunderschöne, leise Klänge – leiser als die Lüftung im Saal. Das Publikum hielt den Atem an, um ja nichts zu verpassen und sich von den Volksmusikelementen des Stückes in die Weiten einer Steppe, die unweigerlich vor dem inneren Auge erschienen, entführen zu lassen.

Mit Max Bruchs „Streichquartett Nr. 1 c-moll op.9“ stellten Stefan und Gundula Kirpal, Alba González i Becerra und Stephen Ristau nach der Pause noch einmal ihre solistischen Qualitäten unter Beweis. Für den höchstverdienten Applaus bedankten sich die Musiker mit einer Zugabe. „Die müssen unbedingt wiederkommen“, sagte Ulmar Nolde. Recht hat er. 


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erstellt am 19.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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