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Ehndorf : Dieser Weihnachtsmann hat kein Handy dabei

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im roten Mantel fährt er kein Auto, und auch auf die kleinsten Details achtet er: Jörg Möller aus Ehndorf mimt schon seit 15 Jahren den Weihnachtsmann

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Jörg Möller aus Ehndorf schlüpft nun schon seit mehr als 15 Jahren immer zu Weihnachten in ein rotes Kostüm. Dabei erfreut der Weihnachtsmann aus Leidenschaft Kinder und auch Erwachsene.

„Alles begann mit unseren Kindern Saskia und Niklas. Die sind heute 23 und 18 Jahre alt. Die ersten Jahre klappte alles bestens. Sie glaubten wirklich an den Weihnachtsmann. Doch als Saskia das Grundschulalter erreichte, war sie schwer am Zweifeln. Um nicht aufzufliegen, sprang ein guter Bekannter für mich ein. Denn wer die Rolle übernimmt, darf selbst von den eigenen Kindern nicht erkannt werden“, sagten Anja und Jörg Möller. Damit hängte der 52-jährige Pflegeleiter im Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster sein Kostüm aber nicht an den Nagel. Für die Altbürgermeisterin und amtierende Vorsitzende des Ehndorfer Altenklubs Magret Kaschner war er der richtige Mann für die traditionellen Senioren- und Kinderfeiern in der Vorweihnachtszeit.

Die von der Gemeinde gespendeten weihnachtlichen Geschenke für Groß und Klein werden von Magret Kaschner und ihren Helferinnen hübsch verpackt. Ihre Frage vor mehr als zehn Jahren: „Hast du Lust, den Weihnachtsmann bei den Veranstaltungen zu spielen?“, beantwortete Jörg Möller mit einem klaren Ja. Bei den Kindern legt er getreu seinem Motto, nicht erkannt zu werden, großen Wert auf Kleinigkeiten. Dabei stand ihm anfangs Ehefrau Anja als Maskenbildnerin mit Rat und Tat zur Seite. Selbst die Augenbrauen werden passend zum Outfit mit dem langen weißen Bart geschminkt. Er trägt weiße Handschuhe, einen roten Mantel, keine Armbanduhr, lässt sein Mobiltelefon auf dem Stubentisch liegen, schlüpft in schwarze Stiefel und eine schwarze Hose. Zwischen dem Mützenrand und dem flauschigen weißen Bart ist nur die Augenpartie erkennbar.

„So kostümiert setze ich mich natürlich nicht ins Auto, um zu den Feiern vor das Bürgerhaus zu fahren. Ich ziehe mich im Gerätehaus der Feuerwehr um“, berichtet Jörg Möller. Den großen Geschenkesack randvoll mit Paketen gefüllt, betritt Jörg Möller würdigen Schrittes dann den festlich geschmückten Saal. In diesem Jahr wurde er am ersten Adventssonntag von rund 40 Kindern empfangen, die ihn zurückhaltend und mit weit aufgerissenen Augen empfingen. „In den vergangenen Jahren waren es noch so um die 80 Mädchen und Jungen, die auf mich warteten. Nein, eine Rute habe ich nicht dabei, weil die Dorfkinder immer artig sind“, sagt Möller. Der dörfliche Nachwuchs entspannt sich schlagartig, wenn er sich auf einen Stuhl setzt, um die namentlich beschrifteten Geschenkpakete zu verteilen. Klar, dass alle Kinder ein Gedicht aufsagen. Der Klassiker ist „Advent, Advent ein Lichtlein brennt“. Mittlerweile hat sich die Situation aber derart entspannt, dass einige Kinder dem Gedicht eine fünfte Kerze beifügen und sagen: „Lieber guter Weihnachtsmann, wenn die Fünfte brennt, hast du Weihnachten verpennt.“ „Es ist ein total niedliches Fest“, betont Jörg Möller.

Rustikaler geht es natürlich bei den Senioren zu. Dann muss sich Jörg Möller aber mit drei gefüllten Geschenkesäcken abschleppen. Und eine Rute für alle Fälle hat er dann ebenfalls am Mann. Die Bühne, die er dann betritt, erinnert ihn immer wieder an die Atmosphäre des Hamburger Ohnsorg-Theaters. Dann wird in der rund 80-köpfigen Runde nur noch Platt geschnackt, gemeinsam gesungen und herzhaft gelacht.

Wer sein Gedicht vom Zettel abliest, wird vom Weihnachtsmann auch schon einmal aufgefordert, nächstes Jahr die Zeilen auswendig vorzutragen.

In diesem Jahr wird der Weihnachtsmann im Nachbarort Arpsdorf auf den Beinen sein. Für den Familienvater ist aus dem Brauchtum eine Leidenschaft geworden, die er sich nicht bezahlen lässt.




















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