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Holsteinischer Courier

21. August 2017 | 01:32 Uhr

Bordesholm : Dieser Klang ergriff die Zuhörer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Organist Matthias Eisenberg und der Klarinettist Giora Feidman bewegten sich zwischen Klezmer und Klassik.

Bordesholm | Wenn sich zwei Musikinstrumente auf ungewöhnliche Weise paaren, kann dabei eine geniale Darbietung entstehen. So war es beim Frühjahrskonzert in der Bordesholmer Klosterkirche mit dem Organisten Matthias Eisenberg und der Klarinettistenlegende Giora Feidman. Vor 300 in Bewunderung gefangenen Zuhörern brachten die beiden Musiker Klassik und Klezmer ganz einzigartig unter einen Hut.

Leise, vorsichtige Töne durchströmten das Kirchenschiff, ein kleiner gebückter Mann bahnte sich mit seinem Instrument den Weg zur Orgelempore hinauf, wo er den begonnenen musikalischen Dialog mit seinem Partner an den Tasten direkt weiterführte. Giora Feidman hat halt seine eigene Methode, sich dem Publikum vorzustellen. Intimität stand hier nicht nur am Anfang des Konzerts, sondern durchzog diese Reise durch Komponisten aller Epochen und Stilrichtungen.

Sergei Prokofieff hatte mit „Ouverture On Hebrew Themes“ seinen Platz, Joseph Rheinbergers „Cantilene“, die Traditionals „Nobody sees the trouble I’ve seen“ oder „Shalom Chaverim“, ja sogar Scott Joplins Ragtime-Stimmungsevergreen „The Entertainer“ erklangen. Ob jetzt gerade die Klarinette oder die mächtige Kirchenorgel erklang, vermochte man nicht immer zu sagen: Auf geniale Weise verschmolzen Instrumente und Interpreten in lautmalerischer und klangfarblicher Eintracht und Harmonie.

Vorwitzig, lustig und sprunghaft agierte der 79-jährige Feidman dabei nicht nur bei „Rabbi Montenyu“ von Samuel Bugatzsch. Auch die leisen Zwischentöne beherrschte der Ausnahmekönner, denen sich Matthias Eisenberg anschloss und die prächtige Bordesholmer Orgel zumeist behutsam und zurückhaltend anschlug. Die Werke von Johann Sebastian Bach wirkten fast wie Ausreißer.

Die Zuhörer konnten sich an Giora Feidmans „Prayer“ und an den weisen und warmherzigen Worten des Klezmer-Meisters laben.

In melancholischer und vielleicht auch besserer Stimmung verließen die Zuhörer nach dem Konzert die Kirche, mit der Gewissheit, einem Stück grenzenloser Weltmusik beigewohnt zu haben. 


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erstellt am 29.Apr.2015 | 17:00 Uhr

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