Tankstellen : Diesel- und Heizölpreis auf Talfahrt

Kunde Edgar Schmaloske freute sich gestern Nachmittag über die günstigen Preise an der SVG-Tankstelle an der Kieler Straße.
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Kunde Edgar Schmaloske freute sich gestern Nachmittag über die günstigen Preise an der SVG-Tankstelle an der Kieler Straße.

So günstig gab es den Sprit an der Tankstelle zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009. Heizöl ist wieder günstiger als Erdgas

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13. Januar 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | 1,02 Euro kostete gestern der Liter Diesel, den Liter Superkraftstoff E 10 gab es für 1,18 Euro. So günstig konnten Neumünsters Autofahrer zuletzt vor sechs Jahren auf dem Höhepunkt der Finanzkrise tanken. Auch die Preise für leichtes Heizöl sind im Keller.

„Ich kann mich nicht erinnern, wann die Preise zuletzt so niedrig waren. Das ist wirklich phänomenal“, sagt Martin Kriese, Pächter der Nordöl-Tankstelle an der Brachenfelder Straße. Das macht sich derzeit deutlich am Kundenansturm bemerkbar. „Auch die Leute, die weniger Auto fahren, machen sich jetzt den Tank voll“, sagt Kriese.

Für seine Mitarbeiter haben die niedrigen Preise einen angenehmen Nebeneffekt: „Man hört die Leute weniger meckern. Es macht einfach mehr Spaß, wenn die Menschen mit einem Lächeln hereinkommen. Wenn die Preise hoch sind, bekommen die Angestellten das häufig zu spüren. Dabei haben wir darauf gar keinen Einfluss, die Preise werden über die Zentrale in Hamburg eingespeist“, erklärt Kriese das Vorgehen.

Edgar Schmaloske nutzte gestern an der SVG-Tankstelle an der Kieler Straße die Gunst der Stunde. „Ich tanke eigentlich Super, aber bei den Preisen nehme ich direkt Super Plus“, sagt der 31-Jährige. Schmaloske hätte nichts dagegen, wenn die Preise noch weiter in den Keller gehen: „Ich bin täglich mit dem Auto unterwegs, von daher würde mich das natürlich freuen. Ich fürchte aber, dass das Ende der Fahnenstange langsam erreicht ist.“

SVG-Chef Oliver Leupelt kann sich den Preissturz nicht erklären. 2009 sank in der Wirtschaftskrise global die Nachfrage. Das ist jetzt nicht so. Rutscht der Dieselpreis noch unter einen Euro? Leupelt hält das nicht für unwahrscheinlich und hat noch einen Tipp für die Verbraucher: „Abends tanken. Über den Tag ging der Preis in den vergangenen Monaten runter.“

Wer den günstigen Spritpreis nutzen will, um sich zu bevorraten, den muss Henning Liebke von der Berufsfeuerwehr enttäuschen. In der Garage dürfen höchstens 20 Liter Benzin und 200 Liter Dieselkraftstoff gelagert werden. In sicheren Behältern, versteht sich.

Mit dem Spritpreis sind parallel auch die Preise für Heizöl in den Keller gegangen. „Wir haben das Niveau von 2008 erreicht. Wer kann, tankt jetzt nach“, sagt René Ströh vom Heizölhandel Team Energie. Heizöl ist damit erstmals seit langem wieder deutlich günstiger als Erdgas. Händler Karl-Heinz Hauschildt spricht von einem „Langzeittief“. Gestern musste der typische Haushaltskunde bei einer Bestellung von 3000 Litern 56,53 Euro für 100 Liter zahlen, ein Jahr zuvor waren es noch rund 80 Euro. „Er spart bei 3000 Litern mehr als 700 Euro, das ist doch ein Riesenstiefel“, so Hauschildt. Den Verbraucher freut’s, für den Handel sei der zweite milde Winter in Folge eine Katastrophe. Hauschildt rechnet mit einer geringen Nachfrage: „Der Verbrauch ist niedrig, und die Bestände in den Heizöltanks sind relativ hoch.“

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