Wagyu-Rinder : Diese Kühe stehen auf Simon & Garfunkel

In Negenharrie werden die seltenen, aus Japan stammenden Wagyu-Rinder gezüchtet.
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In Negenharrie werden die seltenen, aus Japan stammenden Wagyu-Rinder gezüchtet.

Rüdiger Marquardt aus Negenharrie (Kreis Rendsburg-Eckernförde) züchtet Wagyu-Rinder, die teuersten Fleischrinder der Welt. Das Filet kostet bis zu 600 Euro pro Kilo.

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12. März 2014, 17:00 Uhr

Negenharrie | Akeni, Hiroshi und Sakura stehen vor dem Stall in Negenharrie und beäugen die Besucher neugierig. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie ganz normale Rinder – mit für norddeutsche Ohren komisch klingenden Namen. Doch der Kenner weiß, bei ihnen handelt es sich um Exemplare der teuersten Fleischrinder der Welt. Bis zu 600 Euro müssen Feinschmecker für ein Kilo Filetfleisch der Wagyus aus Holstein zahlen.

Bekannter ist diese besondere Rinderrasse unter dem Namen Kobe-Rind. Die Bezeichnung ist aber geschützt - so dürfen nur jene Tiere genannt werden, die in der japanischen Region Kobe leben. Bis heute ist es verboten, Tiere, Embryonen, Samen oder sogar Fleisch aus Japan zu exportieren.

Die Tiere, die außerhalb des Heimatlandes gezüchtet und verzehrt werden, stammen aus zwei Populationen in den USA und Australien, wie der Züchter Rüdiger Marquardt aus Negenharrie sagt. In dem einen Fall durften Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken in die USA ausgeführt werden. In dem anderen ist ein japanischer Bauer zu seiner Tochter nach Australien gezogen und hat erfolgreich geklagt, seine Wagyus nachholen zu dürfen.

Über die Aufzucht von Kobe-Rindern gibt es viele Geschichten. Sie werden massiert, hören Musik, bekommen Bier zu trinken und nur das beste Futter serviert. Und einiges stimmt auch. Auch bei Marquardt im Stall läuft Musik - seine Kühe stehen auf Simon & Garfunkel. Zu fressen gibt es Bio-Heu mit vielen Kräutern oder saftiges Gras; an den Wänden des lichtdurchfluteten Stalls hängen automatische Massagebürsten. Und Bier? Gibt es natürlich auch. „Das regt den Appetit an“, sagt Marquardt. Rund 30 Monate dauert ein Wagyu-Leben, etwa doppelt so lange wie das eines herkömmlichen Mastrindes. Dadurch und wegen des Futters erhalten die Tiere ihr unvergleichliches Fleisch, für das Feinschmecker viel Geld ausgeben.

Die besondere Marmorierung des Fleischs, das von feinen Fettbahnen durchzogen ist, macht es nach Ansicht von Fans zum Gesündesten und Schmackhaftesten überhaupt. „Der Anteil an ungesättigten Fettsäuren sei genetisch bedingt höher, als bei anderen Fleischsorten“, sagt Steffen Maak. Maak ist Leiter des Forschungsbereichs Muskelbiologie und Wachstum am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock und so etwas wie der wissenschaftliche Ansprechpartner für Wagyu-Züchter und -Halter in Deutschland.

Viele sind das nicht: Bundesweit gibt es nur 28 Züchter, die sich im Wagyu-Verband Deutschland zusammengeschlossen haben, wie dessen Vorsitzender Klaus Möbius sagt. Insgesamt gebe es zwischen Flensburg und Füssen etwa 100 bis 200 Zuchttiere. Rechne man die Masttiere hinzu, sind es ungefähr 400 bis 600 Wagyus. Genaue Zahlen gebe es nicht, sagt Möbius. Zum Vergleich: Eine einzige Wagyu-Herde, die ein großer Lebensmittelkonzern kürzlich in Argentinien aufgebaut hat, umfasst laut Marquardt 16.000 Tiere. Von einer kommerziellen Zucht im engeren Sinne, könne in Deutschland also kaum gesprochen werden, findet Maak.

Züchter Marquardt vermehrt seit rund fünf Jahren die teuren Rinder. Er ist eigenen Angaben zufolge mit 43 Zuchttieren der größte Züchter bundesweit. Er verkauft Samen, Embryonen und Zuchttiere. Und Fleisch von für die Zucht nicht geeigneten männlichen Tieren.

So richtig überzeugt haben die beiden Wagyu-Züchter ihre Kollegen noch nicht, obwohl Rüdiger Marquardt
den Rinderhaltern der Umgebung ständig die Vorteile zu erklären versucht. „Es müssten ja keine reinrassigen Tiere sein, eine Einkreuzung in Angus oder sogar Milchvieh bringe auch sehr
gutes Fleisch und dürfe sogar als Wagyu-Fleisch verkauft werden“, sagt der Negenharrier.

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