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Holsteinischer Courier

20. Oktober 2017 | 14:59 Uhr

Rheuma : Diese Krankheit kennt kein Alter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

400 Besucher machten den Rheuma-Check. Es gibt die Genehmigung für zwei weitere Fachärzte in der Stadt.

shz.de von
erstellt am 29.Nov.2015 | 18:52 Uhr

Neumünster | Großen Zulauf hatte am Sonnabend das Angebot vom Landesverband der Rheuma-Liga mit Unterstützung der Ortsgruppe Neumünster: Kostenlos konnten sich die Besucher im Foyer der Stadthalle auf entzündliches Rheuma testen lassen. Mehr als 400 Interessierte besuchten diese Premiere für Neumünster, bei der auch drei internistische Rheumatologen für Untersuchungen zur Verfügung standen.

Unter den Besuchern fand sich praktisch jedes Alter. Die größte Gruppe waren allerdings die Über-50-Jährigen. „Aber Rheuma kennt kein Alter. Selbst Neugeborene, Kinder und Jugendliche können schon Entzündungsmerkmale im Blut aufweisen“, berichtete die Mitorganisatorin und Vertreterin des Landesverbandes, Gerda Fröhlich. Auch in Neumünster habe man mit dem Test bestimmt wieder mehr als 30 Betroffene „herausgefischt“.

Egon Tietgen gehörte zu den Interessierten, die zunächst den Fragebogen ausfüllten und sich anschließend zur Blutabnahme in den Finger piksen ließen. „Ich habe keine akuten Beschwerden, aber es gibt immer wieder den Verdacht auf Rheuma. Deshalb wollte ich die Gelegenheit nutzen und das einmal mit einem Facharzt abklären“, sagte der 84-jährige Neumünsteraner.

Rund 20 Prozent der Bevölkerung sind von der Krankheit betroffen. Aber die vielfältigen Erscheinungsformen der drei großen Gruppen des Gelenk-, Bindegewebs- und Gefäß-Rheumas machten es den Allgemeinmedizinern schwer, eine Diagnose zu stellen. „Dazu kommt, dass die Entzündungsmerkmale nicht bei jeder Blutuntersuchung in Erscheinung treten“, wusste Gerda Fröhlich. Eine gesicherte Diagnose könne deshalb nur ein internistischer Rheumatologe stellen. Doch in Schleswig-Holstein gebe es nur sieben niedergelassene Fachpraxen. „Das ist ein Albtraum für die Patienten, denn die Wartezeiten für einen Termin liegen zurzeit zwischen sieben und zwölf Monaten“, erklärte sie.

Die gute Nachricht sei allerdings, dass ab Januar in Neumünster, nach Jahren zäher Verhandlungen mit der Landesregierung, nun zwei weitere Fachärzte eine Gemeinschaftspraxis am Kuhberg eröffnen könnten. Doch auch damit sei der Bedarf bei Weitem noch nicht gedeckt, sagte Gerda Fröhlich.

Erhebliche Schwachpunkte im Ausbildungs- und Behandlungssystem sah auch die internistische Rheumatologin Dr. Julia Holle. „An den Universitäten sehen die Studenten während ihrer Ausbildung vielleicht drei, vier Fälle. Dazu kommt die dreijährige fachärztliche Ausbildung, für die es nicht genug Kliniken gibt. Und die Krankenkassen machen es den Fachpraxen bei der Abrechnung der teils sehr teuren Medikamente auch sehr schwer. Und das, obwohl man heute viele Patienten mit der richtigen Therapie problemlos in Arbeit halten könnte“, meinte sie als Beispiele aus der Praxis. 








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