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Theater : Diese Komödie kam etwas müde daher

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dem Theaterstück „Das zweite Kapitel“ von Neil Simon fehlte der letzte Pfiff

Zum Ende einer schwergewichtigen Theaterwoche gab es im voll besetzten Theater in der Stadthalle das Boulevardstück „Das zweite Kapitel“ von Neil Simon. Vom „Theater am Kurfürstendamm“ aus Berlin gastierten Nora von Collande und Herbert Herrmann, beide erfahren in der Gestaltung seltsamer und mehr oder minder glücklicher Bühnen-Paare.

Boulevard-Altmeister Neil Simon (Jahrgang 1927) schuf mit den „Sonny-Boys“ und Felix und Oskar, dem „seltsamen Paar“, zwei Klassiker. An deren Qualität reicht „Das zweite Kapitel“ nicht heran. Mit diesem Stück schrieb Simon sich Autobiographisches von der Seele. Wie sein Protagonist George verlor er seine geliebte Frau. Er wusste nicht, wie er sein Leben nach ihrem Tode füllen sollte und ging überstürzt eine neue Verbindung ein – mit allen Vorbehalten und absehbaren Folgen.

Ist das Stoff für eine Komödie? Durchaus, denn Simon verlässt bei aller Realität nie seinen Dialog-Witz, seine Pointensicherheit und seine Fähigkeit, „runde“ Bühnenfiguren zu entwerfen. Wenn ein Regisseur alle diese Vorzüge aufnimmt und umsetzt, kann eigentlich nur ein ziemlich unterhaltsamer, amüsanter Theaterabend herauskommen. Herbert Herrmann, der auch Regie führte, gelang das aber nicht durchgängig: mal fehlte es den Szenen am Tiefgang, mal am richtigen Tempo, das nicht mit Hektik verwechselt werden darf, mal an Präzision, mal an der überzeugenden Personenregie.

Dabei wäre mehr Lebendigkeit und komödiantische Wirkung möglich gewesen, denn Anja Wegener baute ein überzeugendes, viele Spielvariationen anbietendes Bühnenbild, in dem viele Szenen nicht nacheinander, sondern simultan hätten gespielt werden können. Das geschah aber nicht, und so verlief der Abend etwas dröge, und auch die Darsteller agierten häufig mehr neben- als miteinander. Dennoch konnte sich das Publikum an vielen Szenen erfreuen, wobei die Damen den größeren Anteil am Gelingen hatten.

Nora von Collande als frisch geschiedene Schauspielerin wurde im Verlauf der Aufführung immer lockerer und authentischer und füllte die Rolle der Jennie Malone gut aus. Als ihre Freundin Faye, die sich im Seitensprung übt, belebte Yuri Beckers die Szene. Ihr Partner auf Abwegen war Leo Schneider (von Stefan Schneider recht eckig gespielt), der auch die Aufgabe hatte, seinen Bruder George aus seinem Trübsinn zu holen und zu verkuppeln.Innerlich und äußerlich recht chaotisch spielte Herbert Hermann diesen netten, konfusen Mann genau so, wie das Publikum ihn mag. Ihm und seinen Mitspielern galt am Ende – trotz allem – der heftige Applaus.






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erstellt am 08.Okt.2013 | 07:30 Uhr

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