Altes Handwerk in Neumünster : Dienstag ist Schwienstag

Wolfgang Behnke schlachtet als letzter Betrieb in Neumünster noch für den eigenen Bedarf.
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Wolfgang Behnke schlachtet als letzter Betrieb in Neumünster noch für den eigenen Bedarf.

Bei Fleischer Behnke wird am Montag noch für den eigenen Bedarf geschlachtet.

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30. Januar 2018, 10:00 Uhr

Neumünster | In einer Serie stellt der Courier alte Handwerkskunst aus Neumünster vor. Heute: Wolfgang Behnke. Der 51-Jährige ist einer der letzten verbliebenen Vertreter der Fleischer-Zunft und führt den letzten Betrieb in Neumünster, der noch selbst schlachtet. Oder vielmehr: schlachten darf.

„Die Bestimmungen sind durch die Europäische Union immer strenger geworden. Die meisten Fleischereien sind heute nur noch Verarbeitungs- oder Handelsbetriebe, sprich Verkaufsstellen“, sagt Behnke. Hatte die Fleischer-Innung Neumünster zu Blütezeiten einmal mehr als 60 Betriebe, gibt es neben Behnke heute nur noch vier weitere Innungsbetriebe aus Neumünster in der räumlich viel größeren Fleischer-Innung Holstein-Nord. „Die Spezialisierung läuft überall, auch im Fleischerhandwerk“, sagt Behnke und ist stolz zu zeigen, dass es auch anders geht. „So breit gefächert wie in unserem kleinen Handwerksbetrieb ist das Angebot selten.“

Der alte Fleischer-Slogan „Dienstag ist Schwienstag“ trifft es bei Behnke noch immer. Am Montag ist üblicherweise Schlachttag – für den eigenen Bedarf. Hausschlachtungen macht Behnke nicht mehr. Das Vieh kommt von Landwirten aus der unmittelbaren Umgebung. Die Tiere sind also nicht lange auf dem Transport unterwegs. Und das könne man auch an der Qualität sehen oder vielmehr schmecken. Zurzeit sind bei der Fleischerei Behnke neun Mitarbeiter beschäftigt. Behnke ist Ausbildungsbetrieb, hat zurzeit aber keinen Lehrling. „Die Nachwuchssuche wird immer mehr zum Problem. Die ganze Branche stöhnt“, sagt Wolfgang Behnke. Seinen Beruf würde er dennoch immer wieder ergreifen. „Man sieht das Ergebnis, sein Tagewerk“, sagt Wolfgang Behnke, der das Geschäft seit 2001 in zweiter Generation zusammen mit seiner Frau Christiane führt. Mit ihrem Sohn Lucas (22) arbeitet die dritte Generation schon im Betrieb mit.

Gegründet hat die Fleischerei Wolfgang Behnkes Vater Martin Behnke im Jahr 1963. Der Senior war es auch, der den Wochenmarkt-Imbiss und vor gut 30 Jahren den Partyservice ins Leben gerufen hat. Wolfgang Behnke: „Das ist ein wichtiges Standbein und ein Werbefaktor. Wem es geschmeckt hat, der kauft auch ein.“

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