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Friedhof : Diebe plündern erneut die Grabsteine

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Es nimmt kein Ende: Vor allem auf dem Südfriedhof haben Unbekannte in den vergangenen Wochen wieder vermehrt Bronzebuchstaben gestohlen.

von
erstellt am 26.Feb.2017 | 08:58 Uhr

Neumünster | Es ist ein trauriger Anblick: Wer zurzeit auf dem Südfriedhof an der Plöner Straße über den Hauptweg Richtung Hochkreuz geht, entdeckt rechts und links zahlreiche geplünderte Grabsteine. Metalldiebe haben dort und in vielen der kleineren Stichwege in den vergangenen Wochen zahlreiche Buchstaben herausgebrochen, meist die aus Bronze. Das leichtere Aluminium ist nicht so begehrt, wird aber vereinzelt auch mitgenommen. An manchem Stein fehlt die Beschriftung komplett. Besonders schlimm wüteten die unbekannten Täter offenbar am vergangenen Wochenende. Auf dem Nordfriedhof sind es bisher scheinbar nur Einzelfälle.

Friedhofsleiter Peter Lang weiß um die aktuellen Probleme. Nach einer ähnlichen Welle im Herbst vergangenen Jahres (der Courier berichtete) ist das Thema seit rund drei Wochen wieder akut. Genaue Zahlen gibt es nicht. „Viele Angehörige haben sich in der Friedhofsverwaltung gemeldet. Doch es kommen nicht alle“, erzählt Lang. Einige gehen auch nur zum Steinmetz, um den Schaden einschätzen zu lassen und vielleicht um eine Reparatur zu bitten.

Von den erneuten Diebstählen ist auch eine ältere Dame aus der Innenstadt betroffen. Sie bekam am vergangenen Wochenende die traurige Nachricht von ihrer Tochter: Die hatte das Grab der Familie besucht und entsetzt festgestellt, dass der Stein bis auf zwei Buchstaben komplett geplündert war. Der Schaden für die Familie beläuft sich auf rund 1000 Euro. „Die letzten Buchstaben haben die wohl nicht abbekommen, oder sie wurden gestört“, vermutet die Seniorin, die bereits von 30 weiteren Taten gehört hat. Sie meldete ihren Fall sofort bei der Friedhofsverwaltung und erstattet auch Anzeige bei der Polizei.

Dass die Metalldiebe wieder verstärkt am Werk sind, haben auch die Mitarbeiter des Steinmetzbetriebs Selck deutlich gemerkt. „Seit Montag klingelt ständig das Telefon. Immer wieder melden sich Kunden, denen Buchstaben von den Steinen gestohlen wurden“, sagt die Mitarbeiterin Angela Schenk. Sie rechnet noch mit weiteren Reparaturanfragen. „Die Leute bemerken den Schaden jetzt nach und nach, wenn sie mal wieder zum Friedhof gehen. Manche sind bereits mehrfach betroffen“, weiß Angela Schenk.

Deshalb ist es zurzeit auch nahezu sinnlos, die Buchstaben zu ersetzen – denn die sind oft gleich wieder weg. Bei manchem Stein ist es möglich, ihn umzudrehen und die Buchstaben dann einzugravieren, quasi als kostengünstigere und sichere Lösung, rät man beim Steinmetzbetrieb Selck. Doch manche können eine teure Reparatur auch nicht sofort bezahlen und müssen den ramponierten Stein erst mal ohne Schriftzug stehen lassen.

Bisher sind die gestohlenen Buchstaben nirgendwo wieder aufgetaucht. Laut Friedhofsverwaltung sind die Wertstoffhändler in der Region angehalten, entsprechende Angebote zu melden. Doch sie haben keine bekommen. „Die Buchstaben verschwinden wohl im Ausland“, vermutet Peter Lang. Den schockierten Angehörigen kann der Friedhofsleiter derzeit wenig helfen. Denn die Täter kommen nun mal spät abends oder nachts in der Dunkelheit und können sich auf dem weitläufigen, frei zugänglichen Gelände bestens verstecken, wenn doch mal jemand des Weges kommt. Kameras, wie von vielen gewünscht, sind seiner Meinung nach keine Option. „Das wären immense Kosten. Und wo sollen wir auf dem riesigen Gelände überall welche aufhängen? Und was bringen die in der Dunkelheit?“, fragt er.

Den Friedhof abends abzuschließen, ist für Peter Lang auch keine Lösung. „Im Sommer gehen hier viele gern noch spät spazieren. Und wer auf das Gelände rauf will, der lässt sich auch nicht von einem Tor und Zaun abhalten“, sagt der Friedhofsleiter. Er empfiehlt – ebenso wie die Mitarbeiter von Selck – immer den Gang zur Polizei.

Doch den Weg scheuen offenbar viele. Lediglich vier Anzeigen gingen bei den Ermittlern zwischen dem 14. und dem 20. Februar ein. Der Schaden beläuft sich auf 500 bis 2200 Euro. „Wir können nur das bearbeiten, was wir auch wissen“, sagt Polizeisprecher Rainer Wetzel zu dem spärlichen Anzeigenaufkommen. „Es wäre gut, wenn die Angehörigen jetzt die Gräber öfter kontrollieren würden“, so Wetzel. Dann könnten die Tatzeiten und vielleicht die Vorgehensweise der Täter besser eingegrenzt werden. „Das wäre für die Ermittlungen hilfreich“, sagt der Polizeisprecher.

 

 

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