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Gericht : Dieb und Opfer rangelten vor der Hauptpost

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Schöffengericht Neumünster schickt einen Serientäter für elf Monate hinter Gitter. Nur einen Monat nach der Haftentlassung war er rückfällig geworden.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Neumünster | Wegen schweren Diebstahls, Körperverletzung und Nötigung hat das Schöffengericht gestern einen 35-jährigen Mann aus Schwerin zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Weil der Mann bereits seit fünf Monaten in Untersuchungshaft sitzt, reduziert sich seine Reststrafe auf elf Monate. Er wurde unmittelbar nach dem Urteil wieder in die Justizvollzugsanstalt an der Boostedter Straße gebracht.

Nach gut vierstündiger Verhandlung und der Vernehmung von zehn Zeugen sah es das Gericht schließlich als erwiesen an, dass sich der einschlägig vorbestrafte Schweriner in mindestens fünf Fällen erneut an fremdem Eigentum vergriffen hatte.

Als besonders schwerwiegend wertete das Gericht dabei eine wahre Räuberpistole, die sich im August am helllichten Tag auf dem Parkplatz vor der Post an der Friedrichstraße zugetragen hatte. Drei Frauen hatten den Dieb auf dem Rückweg vom Bahnhof zu ihren Autos auf frischer Tat erwischt, als der sich gerade an einem ihrer Fahrzeuge zu schaffen machte. Die Frauen bemerkten zunächst nur die eingeschlagene Seitenscheibe an dem Auto, in dem eine von ihnen ihre Handtasche zurückgelassen hatte. Als sich der Mann neben dem Wagen an den Frauen vorbei verdrücken wollte, verstellten sie ihm den Weg. Eine von ihnen sprang dem eher schmächtigen Mann beherzt in den Rücken und brachte ihn dadurch zu Fall. Es kam zu einem Gerangel auf dem Pflaster, bei dem sich die Frau leicht verletzte. Während eine Begleiterin loseilte, um die Polizei zu rufen, versuchte die dritte den flüchtenden Mann an der Jacke festzuhalten. Der Dieb konnte sich zunächst losreißen. Aufgrund der klaren Beschreibung wurde er jedoch wenig später an einer Tankstelle festgenommen. Dabei trug er einen frischen Verband an der Hand, da er sich offenbar beim Einschlagen der Autoscheibe verletzt hatte.

Zum Leidwesen der Richterin versuchte der Angeklagte gestern im Gerichtssaal stets aufs Neue, die Wahrheit je nach aktueller Lage der Dinge zurechtzubiegen: Wollte er auf dem Parkplatz zunächst nur harmlos auf einen Freund gewartet haben, räumte er wenig später ein, neben dem Wagen gestanden zu haben, als dessen Seitenscheibe „plötzlich zersprungen“ sei. Die Verletzungen an seiner Hand erklärte er mit dem Gerangel mit der Frau. Am Boden liegend habe er sich an den Scherben der Autoscheibe geschnitten.

Genützt hat ihm das alles nichts: Auch an dem aus dem Wagen gestohlenen Portemonnaie, das die Polizei kurz nach dem Vorfall an der Färberstraße fand, machten Experten Blutspuren aus, die sie dem Mann zuordnen konnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die DNA nicht vom Angeklagten stammt, beträgt laut Gutachten etwa 1:7 Milliarden.

Mit der Parkplatz-Sache verhandelte das Gericht sieben weitere Diebstähle. In vier Fällen sah es den Angeklagten ebenfalls überführt: Zweimal hatte der Mann danach bei Karstadt Parfum gestohlen. Bei Fielmann hatte er ein Brillengestell mitgehen lassen, in einem Kielius-Bus einer mitreisenden Frau heimlich das Portemonnaie entwendet. Lediglich den Brillendiebstahl räumte er vor Gericht ein. Als besonders gravierend wertete das Gericht, dass der Mann erst einen guten Monat vor dieser Diebstahlsserie aus der Haft entlassen worden war. Entgegen der Forderung seines Anwalts versagte die Richterin dem Mann daher eine erneute Bewährung.

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