Mini-Schulen : Die Zwergschulen haben Zulauf

In der Schule Großharrie werden immer zwei Klassenstufen zusammen unterrichtet. Die Lehrerinnen hier sind Bettina Schuster (links) und Anne Clausen. Im Vordergrund sitzt die 2. Klasse, hinten ist die 1. Klassen zu sehen. Diesen jahrgangsübergreifenden Unterricht gibt es auch in Schipphorst und Hüttenwohld.
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In der Schule Großharrie werden immer zwei Klassenstufen zusammen unterrichtet. Die Lehrerinnen hier sind Bettina Schuster (links) und Anne Clausen. Im Vordergrund sitzt die 2. Klasse, hinten ist die 1. Klasse zu sehen. Diesen jahrgangsübergreifenden Unterricht gibt es auch in Schipphorst und Hüttenwohld.

Eltern schicken ihre Kinder gerne in die kleinen Grundschulen. Die Mindestgrößenverordnung für Schulen auf dem Lande wird gerade überarbeitet.

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29. März 2017, 08:15 Uhr

Grossharrie | Drei Zwergschulen gibt es im Umland von Neumünster: in Großharrie, Hüttenwohld und Schipphorst. Die Schülerzahlen sind klein, aber stabil, die Unterstützung von Elternschaft und Gemeinde ist da, und deswegen betonen alle drei Standorte, dass eine Schließung kein Thema ist. Der Plöner Schulrat Stefan Beeg betätigt das: „Es gibt zum kommenden Schuljahr keinen Handlungsbedarf.“ Schon seit 1966 wird für den Bestand der kleinen Schulen gekämpft. „Es gibt pädagogisch nichts Besseres“, sagt Claus Hopp, ehemaliger Bürgermeister von Rendswühren und Ex-Landtagsabgeordneter.

Großharrie: Die große Pause ist vorbei. Es gibt - wie in den anderen beiden Schulen auch – keine Klingel. Lehrerin Bettina Schuster ruft die Kinder wieder in die Klassenräume. Und dann: Ruhe. Die erste und zweite Klasse sowie die dritte und vierte Klasse sitzen jeweils zusammen in einem Klassenraum, arbeiten still und konzentriert, bevor die Lehrerin im Raum ist. Das ist ganz normaler Alltag an der Schule Großharrie. Die Pädagoginnen Bettina Schuster und Anne Clausen können alles auf dem kleinen Dienstweg schnell absprechen, die Dauer einer Schulstunde ist nicht starr festgelegt, sondern dem Thema angepasst. In dem kleinen Rahmen ist auch mehr Spontaneität möglich: „An schönen Tagen können wir auch mal kurzfristig rausgehen“, sagt Anne Clausen. „Hier können die Kinder noch Kinder sein“, erklärt Andrea Jordt, Schulleiterin in Bönebüttel und damit auch zuständig für die Zweigstelle in Großharrie.

Wie in Großharrie und Schipphorst (Gemeinde Rendswühren) werden auch in Hüttenwohld (Gemeinde Schillsdorf) die erste und die zweite Klasse sowie die dritte und die vierte Klasse gemeinsam unterrichtet. „Die Förderung passiert automatisch“, sagen die Lehrkräfte Doris Imbusch und Andreas Senkler. In den jahrgangsübergreifenden Klassen können Kinder, die sich schnell langweilen, auf ein höheres Niveau wechseln. Die Schüler helfen sich gegenseitig, das festigt das Erlernte. All das und das Spielen mit Kindern verschiedenen Alters auf dem Schulhof fördern die soziale Kompetenz der Kinder. Und: „Handy und Klamotten sind bei uns kein Thema“, sagt Andreas Senkler.

Eltern wissen die vielen Vorteile der kleinen Schulen zu schätzen, und die freie Schulwahl kommt den Zwergschulen zugute. In Großharrie besuchen auch Kinder aus Tasdorf und Neumünster die Schule. Die Schule Hüttenwohld hat seit Jahren konstant zwischen 40 und 50 Schüler. „Die Eltern nehmen Autofahrten in Kauf, fahren an anderen Grundschulen vorbei und bringen ihre Kinder nach Hüttenwohld“, berichtet Doris Imbusch. Kein Wunder, denn die Mini-Schulen bieten auch Besonderes: An der Schule Schipphorst zum Beispiel kümmert sich zusätzlich Schuloma Edeltraut Pries um die Kinder. Die 62-Jährige hat immer ein offenes Ohr für die Mädchen und Jungen und hilft an allen Ecken und Kanten. Die Schipphorster haben eigene Schulhühner, die aber zurzeit wegen der Stallpflicht (Vogelgrippe) nicht von den Kindern umsorgt werden dürfen. An allen drei Schulen finden die großen Feste im Dorf statt, die Vogelschießen etwa, sodass die Dorfschulen auch Bürgerbegegnungsstätten sind.

Alle drei Schulen hatten eine eigene Schulleitung, sind aber mittlerweile Zweigstellen der Schule Bönebüttel beziehungsweise Wankendorf. Damit der Unterricht weiterhin vor Ort bleibt, haben die Schulen mehr als die volle Unterstützung ihrer Gemeinden. Die kommen für den Unterhalt der Schulen auf, zahlen zum Beispiel eine zweite pädagogische Kraft für die Betreute Grundschule oder den Einbau einer Küche oder einer Feuertreppe.

„Dem Land entstehen dafür keine Kosten“, sagt Bönebüttels Schulleiterin Andrea Jordt. Doris Imbusch aus Hüttenwohld geht noch weiter: Ohne die kleinen Schulen würde es für das Land teurer. „Wir haben Kinder, die einen Schulbegleiter brauchen. Das können in unserem kleinen Rahmen die Lehrer und die Gruppe regulieren.“ Außerdem haben Doris Imbusch und Andreas Senkler ausgerechnet, dass ihre kleine Schule pro Kind günstiger ist, als es an größeren Schulen der Fall ist. Auch die Schipphorster Lehrer wissen: „Man kann die Kinder in einer kleinen Schule ganz anderes betreuen und auffangen“, sagt Susanne Pohland. Ihr Kollege Jan-Felix Reschke betont den sozialen Vorteil: „Hier gibt es kein Mobbing – auch nicht bei Kindern mit Förderbedarf.“

Die Schulen in Großharrie, Hüttenwohld und Schipphorst liegen mit 33, 44 und 34 Schülern im grünen Bereich. Wie Thomas Schunck, Pressesprecher des Ministeriums für Schule und Berufsbildung, bestätigte, wird die Mindestgrößenverordnung zurzeit novelliert. In der Neufassung soll die Mindestgröße für die Mini-Schulen 27 Schüler betragen. „De facto wird aber schon jetzt so verfahren“, erklärte Schunck in Kiel.

Die Zwergschulen im Umland von Neumünster

Schule Großharrie:

Dorfstraße 39 in Großharrie

2017: 33 Schüler

seit 2009 Zweigstelle der  Grundschule Bönebüttel

2 jahrgangsübergreifende Klassen

Lehrer: Bettina Schuster und Anne Clausen

Schule Hüttenwohld:

Ziegelhofer Weg 6 in  Schillsdorf

2017:  44 Schüler

seit 2010 Zweigstelle der Schule Wankendorf

2 jahrgangsübergreifende Klassen

Lehrer: Doris Imbusch und Andreas Senkler

Schule Schipphorst:

Schipphorster Weg  4 in  Rendswühren

2017:  34 Schüler

seit 2010 Zweigstelle der Schule Wankendorf

2 jahrgangsübergreifende Klassen

Lehrer:  Jan-Felix Reschke und Susanne Pohland

Alle drei Schulen setzen den Lehrplan um.  Sie bieten eine Betreuung  bis zum Nachmittag, die kostenlos ist, und ein Mittagessen, das bezahlt werden muss.  In Großharrie und Hüttenwohld   ist zudem der Schwimmunterricht von der 1. bis zur 4. Klasse,  in Schipphorst in der 3. und 4. Klasse fester Bestandteil. Außerdem  gibt es an allen drei Schulen Arbeitsgemeinschaften.

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