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Kolumne „Diese Woche“ : Die Wobau ist nicht nur da, um Geld zu verdienen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Über Jahrzehnte war die Wobau für die kleinen Leute da. Warum hört man davon eigentlich nichts mehr? - fragt Courier-Redakteur Thorsten Geil.

Neumünster | Die Wobau wurde 1949 von klugen Stadtvätern als kommunales Wohnungsunternehmen gegründet, um Neumünster wieder aufzubauen. Das ist gelungen. Über Jahrzehnte war die Wobau für die kleinen Leute da, baute die Böcklersiedlung, schuf Jahrzehnte später maßgeblich den neuen Stadtteil Ruthenberg mit attraktiven, günstigen Wohnungen. Warum hört man davon eigentlich nichts mehr?

Wenn die Wobau heute neue Projekte vorstellt, dann handelt es sich um Eigentumswohnungen im gehobenen Segment. Da hat die Gesellschaft beispielsweise die alte Feuerwache gekauft, um daraus ein Quartier zu entwickeln, das sogar einen eigenen Concierge bekommt. Das gab es bis dahin noch nicht in Neumünster, und das brauchte man auch nicht. Die Wobau ist mit ihrer Verwaltung auch gleich mit in die alte Wache eingezogen, nachdem die Räume saniert wurden – in aller Bescheidenheit, versteht sich.

Die alte Heimat der Wobau an der Beethovenstraße wird abgerissen. Dort, am Rande der Innenstadt, entstehen aber keine günstigen Mietwohnungen, sondern eine exklusive Stadtvilla mit acht Eigentumswohnungen. Und am Einfelder See reißt die Wobau gerade das ehemalige Kirchenkreisjugendheim ab, um das Baufeld zu räumen. Sozialwohnungen können dort in der teuersten und schönsten Lage der ganzen Stadt natürlich nicht entstehen, aber müssen es denn wieder exklusive Villenkomplexe mit Eigentumswohnungen sein?

Die einzigen Mietwohnungen, die gestern auf der Internetseite der Wobau im Angebot waren, liegen an der Christianstraße (Kaltmiete: 5,50 Euro pro Quadratmeter), an der Walter-Hohnsbehn-Straße (5,80 Euro), und im Lavendelweg (8 Euro). Die Wobau ist mehr oder weniger ausgebucht. Ihr Geschäftsführer Uwe Honsberg verweist gern darauf, dass es in Neumünster mehr Wohnungen als Nachfrage gibt. Mehrere hundert Wohnungen stehen in Neumünster leer, klar. Aber wo sind die denn gelegen, und: Sind die auch alle bewohnbar? Ich habe da meine Zweifel.

Wirtschaftlich ist die Wobau kerngesund und erwirtschaftete 2016 ein schönes Plus von 811  000 Euro. Das ist aller Ehren wert. Aber die Wobau ist nicht nur da, um Geld zu verdienen, sie hat noch eine andere Aufgabe, nämlich die Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Und daran fehlt es zunehmend in unserer Stadt.

Wenn die Wobau in diesem Jahr ihre Blocks am Hansaring und an der Danziger Straße grundsaniert hat, klettert die Miete auf 6,50 Euro pro Quadratmeter (kalt). Das ist durch den Mietspiegel gedeckt, aber liegt auch weit weg vom unteren Rand der Preisskala.

Das eigentliche Problem ist, dass in Neumünster in den vergangenen Jahren kein sozialer Wohnungsbau mehr stattgefunden hat. Die Stadt zahlt lieber Strafzinsen, als die Fördermittel abzurufen. Für nicht pünktlich verwendete Mittel der Städtebauförderung in den Jahren 2013 bis 2015 hat Neumünster zusammen mehr als 251  000 Euro an Strafzinsen gezahlt. Die Kommunalpolitiker sollten das alles zusammen mal überdenken.

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erstellt am 25.Jun.2017 | 09:30 Uhr

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