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Seniorenmagazin : Die winkende Queen kam online in mein Wohnzimmer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wenn ich hier an meinem Heimatort etwas nicht kaufen kann, schicke ich meine Wünsche ins World-Wide-Web.

von
erstellt am 28.Feb.2014 | 13:00 Uhr

Ich unterstütze mit meinem Verhalten Firmen, die ihre Mitarbeiter wie Sklaven behandeln, ich muss mich in Gesprächsrunden für mein rücksichtsloses Verhalten rechtfertigen, und ich bin auch dafür verantwortlich, wenn dem heimatlichen Handel die Puste ausgeht. Aber ich bin hart im Nehmen und bleibe bei meiner neuen Sportart: Online-Shopping.

Wenn ich hier an meinem Heimatort etwas nicht kaufen kann, schicke ich meine Wünsche ins World-Wide-Web (www). Auch wenn ich keine Lust habe, die ganze Stadt nach einem bestimmten Artikel abzusuchen, ist das Netz meine Rettung. Ich versuche den Lieferanten viel Arbeit abzunehmen, indem ich E-Books kaufe, die ich direkt vom PC auf meinen E-Book-Reader transferiere, oder ich kaufe Tickets, die ich mir selber ausdrucken kann und die kein geschundener Packer versandfertig machen muss. Auch Hotel- und Urlaubsbuchungen machen nur dem World-Wide-Web Arbeit. Und die kleinen grünen Männchen, die hier ihren Job tun, haben noch nie gemeckert. Sie haben wohl auch noch keine Gewerkschaft.

Da ich ein bekennender Fan der Königshäuser bin, war ich im Urlaub total angetan von einer kleinen Statue, der winkenden Queen. Aber es kamen Zweifel: Das ist doch zu albern oder zu nutzlos oder ganz und gar überflüssig. Der Gedanke ließ mich aber zuhause nicht los, also wurde die winkende Queen erst mal gegoogelt. Und da kam der Vorteil des Online-Handels ins Spiel. Eine ganze Seite tat sich auf mit Lisbeths – und das Schönste war: Es gab eine Sonderedition zum 60. Thronjubiläum mit Krone und Brosche! Ich konnte nicht widerstehen. Jetzt hat sie ihren Platz neben meinem Schreibtisch am Fenster und winkt mir solarbetrieben freundlich lächelnd zu – aber nur, wenn ihr das Licht ausreicht. Sonst lächelt sie nur. Und ich lächle zurück.

Das letzte Glied in der Kette des Online-Handels funktioniert noch nicht richtig, weil hier weiterhin richtige Menschen arbeiten. Die Lieferungen sind immer pünktlich – wie man mir per E-Mail sogar zweimal ankündigte. Aber der Auslieferer machte sich nicht die Mühe, mir das Paket an die Tür zu bringen. Oftmals musste ich meine Lieferung bei Nachbarn abholen, obwohl ich dem Paketmann die Tür aufgedrückt hatte.

Einmal müssen ihn total die Kräfte verlassen haben, denn da hat er das Paket vor der Haustür auf der Straße abgelegt. Da bin ich doch gespannt, ob die Drohnen das besser hinkriegen.
 

Das ganze Seniorenmagazin finden Sie heute im Courier.

 

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