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Kultur mit Biss : Die Welt aus Pärchenperspektive

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wiebke Eymess und Fridolin Müller (30) nehmen sich und ihre Umwelt gekonnt auf die Schippe. Ein gelungener Kabarett-Abend im Theater

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2016 | 09:00 Uhr

Neumünster | Die Reihe „Kultur mit Biss“ geht in die nächste Runde. Am Donnerstagabend lockte das Kulturbüro Neumünsters Kabarettfreunde mit dem verlockenden Zuruf: „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie!“ So eigen, wie der Name, ist auch das Duo, das sich dahinter verbirgt. Als „real-fiktives Liebespaar“ bezeichnen sich die Beziehungskabarettisten Wiebke Eymess und Fridolin Müller (30), die sowohl im echten Leben als auch auf der Bühne liiert sind.

Das Künstlerpaar ließ die 60 Zuschauer schnell merken, wie bei ihnen der Hase läuft: Stimmte Fridolin sacht schmachtend die Gitarre an, platzte seine besserwisserische Hälfte mit einer Konzertina dazwischen und ironisierte so das eh nicht so ganz ernst gemeinte Liebeslied. Bequem auf zwei Barhockern saßen die beiden nebeneinander auf der Bühne und kabbelten fröhlich drauflos.

Dabei entfalteten sie ganz gemächlich ein Kuriosum an Dialogen, aus denen sich gesellschaftspolitische Inhalte herausschälten. So musste sich Fridolin belehren lassen, dass eine Katze eine ganz miese CO2-Bilanz habe und daher als Haustier gar nicht infrage komme. Er wiederum war der Meinung, es müsse nicht immer „Gutmensch“ sein, „Ok-Mensch“ reiche vollkommen aus.

In ihrem Programm „Paradiesseits“ nahmen die studierten Kulturwissenschaftler die ungleichen Lebensbedingungen auf der Welt unter die Lupe, arbeiteten sich durch das „Konzept Kind“ und kritisierten die Massentierhaltung. „In Wirklichkeit sind wir beide Vegetarier, aber wenn man auf der Bühne alles bringt, wie es in Wirklichkeit ist, fehlt der Witz“, erklärte Fridolin Müller.

Kennengelernt haben sich die beiden Wortakrobaten während des Studiums, vor sieben Jahren begannen sie mit Bühnenauftritten und leben nun hauptberuflich davon.

Das Duo überzeugte mit seinem absolut gelungenen Zusammenspiel und seinem intellektuellen Anspruch. Dennoch hätte die ein oder andere Szene ruhig etwas flotter und vitaler präsentiert werden können, gerne auch mit etwas mehr Schärfe in der Kritik und knackiger in der Pointe. Dennoch kam das Künstlerpaar auf der Bühne ungemein sympathisch und authentisch rüber und wechselte geschickt Sprech- mit Gesangseinlagen.

„Ich finde die beiden wirklich spitze. Insbesondere die Mimik von Wiebke ist großartig. Mir gefällt dieser Humor. Sie harmonisieren total gut zusammen“, meinte die Besucherin Ilona Kellner, die extra aus Eckernförde nach Neumünster in die Stadthalle gekommen war.


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