FEK : Die Visite wird jetzt digital

Hat der Patient Fieber? Welche Medikamente nimmt er? Solche Daten gibt Krankenschwester Silke Greuel direkt im Zimmer der Patienten in den Computer ein. Der Ärztliche Direktor Dr. Ivo Markus Heer zeigt auf die Fieberkurve.
Hat der Patient Fieber? Welche Medikamente nimmt er? Solche Daten gibt Krankenschwester Silke Greuel direkt im Zimmer der Patienten in den Computer ein. Der Ärztliche Direktor Dr. Ivo Markus Heer zeigt auf die Fieberkurve.

Die Einführung der elektronischen Patientenakte schreitet voran: Mehr als die Hälfte der Stationen ist mit mobilen Computern bestückt

shz.de von
15. August 2017, 08:01 Uhr

Neumünster | Wenn die Krankenschwester Silke Greuel zu ihren Patienten ins Zimmer kommt, hat sie immer den „Visitenwagen“ dabei – ein Computer auf einem Rollwagen. Wenn sie Fieber gemessen und Medikamente gegeben hat, notiert sie das direkt im System: Mit Nachdruck wird im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) die elektronische Patientenakte eingeführt; inzwischen sind 12 von 23 Stationen damit bestückt. „Zum Ende des Jahres wird das flächendeckend im FEK eingesetzt sein. Wir haben einen Riesenschritt nach vorne gemacht, der Computer-Einsatz ist ein großer Vorteil in der alltäglichen Arbeit“, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Ivo Markus Heer. Die Visite wird jetzt digital.

Wo vorher in seinem Büro stapelweise Aktenberge lagen, ist jetzt ein relativ leerer Schreibtisch. „Ich schreibe alle Arztbriefe und weiteres nur noch am Computer“, so Heer. Bisher wurden alle Patientenakten auf Papier geführt – und die Informationen waren nur dort verfügbar, wo die Akte war. Wechselte ein Patient die Station, musste die Akte mitwandern. „Jetzt sind die Informationen auf jedem Computer verfügbar. Jeder Arzt kann das einsehen, was ein anderer Arzt dort vermerkt hat – das erleichtert das so genannte Konsilwesen, die Beratung der Ärzte untereinander. Und die Suche nach Akten, die auf Schreibtischen herumliegen, entfällt. Es können keine Akten mehr verloren gehen“, nennt Heer einige Vorteile.

Dokumentiert werden Fakten wie die Aufklärung des Patienten über seine Operation, der Verlauf der OP, Medikamentengabe, Verbandswechsel, Untersuchungsergebnisse oder Pflegebericht. Was vorher – nicht immer in Schönschrift – notiert wurde, steht jetzt gut lesbar im Computer: „Das war vorher nicht durchgängig so. Auch war nicht immer eindeutig zuzuordnen, wer was wann dokumentiert hat“, räumt Heer ein. Ein weiterer Vorteil ist auch: Der Patient muss seine Geschichte nur einmal erzählen, auch seine Unverträglichkeiten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler passieren, ist drastisch reduziert“, sagt Heer. Allergien werden dort ebenso vermerkt wie Nahrungsge- oder verbote wie etwa „kein Schweinefleisch“. Das Programm ist verbunden mit der FEK-Medikamentenliste und schlägt beispielsweise auch Alarm, wenn einem Patienten mit einer Penicilin-Unverträglichkeit ein solches Medikament verschrieben würde.

Für das Projekt wurde ein enormer Aufwand betrieben. Für das Konzept und die Realisierung sind Dr. Ivo Heer als Ärztlicher Direktor, Pflegedirektor Christian de la Chaux und IT-Chef Jürgen Spanier verantwortlich. Eine große Projektgruppe wurde gebildet, in der der Pflegebereich, die Ärzte, EDV, die Programmier-Firma und Christof Thielecke als Zuständiger für Fortbildung vertreten waren. Eine Spezialfirma lieferte ein Programm, das die FEK-Spezialisten entsprechend der diversen fachärztlichen und pflegerischen Anforderungen des FEK weiterentwickelten – ein hochkomplexes Projekt. Viele Optionen wurden programmiert.

Technisch war ein flächendeckendes drahtloses Internet (Wlan) im FEK nötig. Die mobilen Computer und die Rollwagen wurden angeschafft, Mitarbeiter mussten geschult werden. Nach einem ersten Anlauf 2013, bei dem die Software nicht den Anforderungen genügte, klappte jetzt alles gut. Den finanziellen Aufwand des Pilotprojekts schätzt Heer auf einen siebenstelligen Betrag.

Eines der wichtigsten Themen war der Datenschutz. Können die Patienten sicher sein, dass ihre Daten im FEK sicher sind? „Es gibt keine absolute Garantie, sogar die EDV des Pentagons wird gehackt. Aber nach einem so genannten Penetrationstest, bei dem ein Angriff simuliert wurde, wurde uns bescheinigt, dass wir einen sehr hohen Sicherheitsstand haben“, stellt Heer fest. Krankenschwester Silke Greuel ergänzt: „Am Anfang haben wir uns schwer damit getan, inzwischen kommen wir gut damit zurecht. Und die Patienten haben sich daran gewöhnt, dass wir mit Computern hineingerollt kommen.“

Vom Kollegen Computer will Heer trotzdem nicht sprechen: „Der Computer ist ein Werkzeug, wenn auch bei uns eines im sensiblen Bereich. Kein Computer ersetzt das persönliche Gespräch mit den Patienten, auch künftig nicht.“
 

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