Padenstedt : „Die Toleranz nimmt ab“

Landwirt Rainer Beckmann aus Padenstedt steht vor den Strohballen, die er wegen der Dürre zukaufen musste.
Landwirt Rainer Beckmann aus Padenstedt steht vor den Strohballen, die er wegen der Dürre zukaufen musste.

Rainer Beckmann aus Padenstedt ist mit Leib und Seele Landwirt und wünscht sich Perspektiven für kommende Generationen.

von
26. Juli 2018, 08:05 Uhr

Padenstedt | Seit 400 Jahren ist der Hof an der Störstraße in Padenstedt in Familienhand. Antje (55) und Rainer (57) Beckmann bewirtschaften den Betrieb seit 1986. Rainer Beckmann kommt aus Arpsdorf, der elterliche Hof ging an seinen Bruder Detlef Beckmann, er übernahm den Betrieb in Padenstedt von seinen Schwiegereltern Ilse und Hans Blunck. Viele der landwirtschaftlichen Maschinen teilt er sich mit seinem Bruder. Die Beckmanns haben drei erwachsene Töchter, von denen zwei Agrarwissenschaften studieren. Drei Standbeine hat der Hof: 200 Milchkühe, Bullenmast und 50 Hektar Getreideanbau. Über die Zukunft der Landwirtschaft und die aktuelle Hitzeperiode sprach Courier-Redakteurin Susanne Otto mit dem 57-Jährigen.

Gestern gab es ein bisschen Regen. Wie sieht die Bilanz für Padenstedt aus?
Vom 1. Mai bis gestern hatten wir 20 Liter Regen pro Quadratmeter. Im Durchschnitt fallen in Schleswig-Holstein pro Jahr und Quadratmeter etwa 750 bis 820 Liter. 2017 waren es 1300 Liter. Ich erinnere mich, dass wir so eine Trockenperiode 1976 hatten, da habe ich gerade angefangen in der Landwirtschaft zu arbeiten, und 2003 war es auch lange sehr warm.

Was ist das gravierendste Problem durch die lange Trockenheit?
Das Schlimmste ist, dass die Tiere draußen kein Futter mehr haben. Bei uns kommen die komplette weibliche Nachzucht sowie alle trockenstehenden Kühe im Sommer auf die Weide. Es gibt nichts Besseres. In letzter Zeit mussten wir jedoch Silageballen zufüttern. Nun holen wir sogar die ersten Tiere zurück in den Stall und beginnen damit, die Wintervorräte anzubrechen. Wir haben Stroh aus Dänemark und Mecklenburg zugekauft, um die schlechte Getreideernte zu kompensieren. Etwa zwei bis drei Ballen benötigen wir pro Tag. Die abgeernteten Getreideflächen werden mit Gras abgesät, um im Oktober nochmals Futter zu ernten. Das sind Kompromisse, die man eingehen muss.

Wie überstehen Sie solche Einbußen wirtschaftlich, und was macht das mit Ihnen?
Das weiß ich auch nicht. Notschlachtungen machen wir auf keinen Fall. Wir haben beim Getreide nur ein Drittel von dem geerntet, was üblich ist: 30 bis 35 Doppelzentner Roggen, Weizen und Gerste. Eine Versicherung dagegen gibt es nicht. Wir müssen jetzt sparsamer leben, Investitionen zurückschrauben und hoffen, dass die Milchpreise steigen. Das sind eben die Herausforderungen des Berufs.

Muss sich die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein umstellen?
Ich bin immer noch der Meinung, dass Angebot und Nachfrage das regeln. Ob man ökologische oder konventionelle Landwirtschaft betreiben möchte, muss jeder für sich entscheiden. Die Mischung macht’s. Da kann die Politik viel vorgeben, ob sich das umsetzen lässt, steht auf einem anderen Blatt. Unsere Hofgröße hat sich langsam über Jahrzehnte verändert und kann jetzt so bleiben. Da hängt so viel Herzblut drin. Ich bin mit Leib und Seele Landwirt, und ich würde immer wieder diesen Beruf ergreifen.

Was wünschen Sie persönlich sich für die Landwirtschaft?
Ich würde es gut finden, wenn alle aufeinander zugehen und Rücksicht nehmen – die Bauern, die Bewohner und die Politiker. Die Bürokratie nimmt zu. Die Toleranz gegenüber den Landwirten und ihrer Arbeit mit großen Maschinen an sieben Tagen in der Woche nimmt in der Bevölkerung ab. Als ich anfing, waren wir noch 16 Milchbauern in Padenstedt, jetzt sind es noch fünf. Wichtig ist, dass wir Kompromisse finden, damit die jungen Leute auch eine Perspektive haben.

































zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen