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Neuer Streit um Schadstoffe : Die TEV-Werte sind top, dennoch Zoff im Beirat

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gerhard Gloe-Carstensen fordert ein Zurückfahren der Anlage bei ungünstigen Wetterlagen. Die Stadtwerke weisen das zurück

Neumünster | Die Abgaswerte der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) sind besser denn je. Das räumen selbst ihre schärfsten Kritiker ein. Dennoch gab es jetzt mächtig Zoff im TEV-Beirat, der die Einhaltung der Grenzwerte überwacht.

Der Streit entzündete sich an der Forderung von Beiratsmitglied Gerhard Gloe-Carstensen, die Anlage bei bestimmten ungünstigen Wetterlagen zurückzufahren. Zuletzt hatten Anlieger am Brüningsweg Ende Januar über eine erhöhte Schadstoffbelastung geklagt und das auf die TEV zurück geführt (der Courier berichtete). Wärmere Luftschichten über einer kalten Schicht am Boden wirkten wie eine Käseglocke, unter der die Abgase nicht entweichen konnten.

Der frühere Kraftwerksleiter Gloe-Carstensen sitzt für die TEV-kritische Bürgerinitiative im Beirat und argumentiert, dass sich solche Inversionswetterlagen häuften und darauf reagiert werden müsse. Er drohte im TEV-Beirat sogar an, Strafantrag wegen Körperverletzung zu stellen, wenn die Stadtwerke als Betreiber der TEV bei solchen gesundheitsgefährdenden Situationen nicht reagierten. Das ging aber selbst seinem BI-Mitstreiter im Beirat, Rudolf Petereit, zu weit. „Die Emissionen der TEV sind in Ordnung. Aber entscheidend ist nicht, was oben aus dem Schornstein rausgeht, sondern was unten bei den Menschen ankommt. Wir als TEV-Beirat sind zum Schutz der Menschen in Neumünster da“, sagte Gloe-Carstensen zum Courier.

„Das ist die Argumentation von Herrn Gloe-Carstensen und nicht die des TEV-Beirats“, stellte Stadtwerke-Sprecher Nikolaus Schmidt klar. Die TEV liege deutlich unter den Werten, die seinerzeit mit der Bürgerinitiative vereinbart worden seien. Die Stadtwerke hatten sich gegenüber der BI auf einen Wert verpflichtet, der 95 Prozent unter den zulässigen Grenzen der Bundesimmissionsschutzverordnung liegt.

Im vergangenen Jahr wurden die Werte der Bürger-Vereinbarung beim Gesamtstaub um 96 Prozent, bei den Schwermetallen um 84 Prozent und bei Dioxinen und Furanen um 94 Prozent unterschritten, machen die Stadtwerke geltend. „Wenn Herr Gloe-Carstensen nun sagt, die Immissionen und nicht die Emissionen seien maßgeblich, dann ist das ein komplett neuer Sachverhalt und eine einseitige Aufkündigung der Vereinbarung zwischen BI und Stadtwerken“, sagte SWN-Sprecher Schmidt.

Man habe im TEV-Beirat über die vermeintliche Inversionswetterlage diskutiert. „Die Windrichtung und Windstärke waren an dem Tag eindeutig so, dass die Rauchfahne von der TEV nicht an dem betreffenden Gebiet vorbeigezogen sein kann“, sagte Schmidt. Er fordert Gloe-Carstensen auf, seine Behauptungen zu beweisen. Die Emissionen der TEV seien praktisch nicht mehr messbar, sagte Schmidt.

CDU-Ratsfrau Helga Bühse sitzt ebenso wie ihre SPD-Kollegin Heidemarie Stephan als Vertreterin der Ratsversammlung im TEV-Beirat. Sie ist nicht der Meinung von Gerhard Gloe-Carstensen. „Es ist ganz schwierig, die Belastung bei Inversionswetterlagen der TEV zuzuordnen. Auch der Autoverkehr und andere Schornsteine können eine Rolle spielen“, sagte sie. Die Ursachen müssten erst „durch Messungen belastbar festgestellt werden. Vorher beteilige ich mich nicht an Mutmaßungen“, sagte Helga Bühse zum Courier und fügte hinzu: „Die Emissionswerte der TEV sind super und weit unter den Vereinbarungen. Die Anlage läuft rund, es wird von Jahr zu Jahr besser.“

 

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erstellt am 27.Mär.2015 | 06:45 Uhr

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