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Theaterkritik : Die Stille unter dem Leuchtfeuer

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Niederdeutsche Bühne Neumünster (NBN) feierte mit „Ünner’t Lüchtfüer“ Premiere Es ist ein ungewöhnlich leises, ernstes und hintergründiges Stück.

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erstellt am 16.Feb.2015 | 08:30 Uhr

Neumünster | Auf der Bühne im Studiotheater ist an einem Premierenabend ja selten mal nichts los, aber bei dem neusten Stück muss man als Zuschauer auch mal Stille aushalten können. Es heißt „Ünner’t Lüchtfüer“ (Unter dem Leuchtfeuer), spielt auf einer einsamen Insel und wird beherrscht von Leuchtturmwärter Paul. Und da der nicht nur griesgrämig, sondern auch äußerst mundfaul ist, wird hier deutlich weniger gesprochen als bei der Niederdeutschen Bühne (NBN) üblich. Aber das schadet überhaupt nicht. Das merkten auch die 120 Zuschauer an diesem Abend.

Der frühere Bühnenleiter Jörgen Oerter hat das noch recht junge Drama (Jahrgang 2013) von Arne Christophersen (Tarp) inszeniert, und er zeichnet auch für das originelle Bühnenbild in leuchtturmrunder Optik verantwortlich. Holger Krützfeldt spielt sich darin als knorriger Leuchtturmwärter mit sparsamen Worten und Gesten warm und arbeitet stark mit seiner markanten Mimik.

Paul hat irgendwann eine Sozialphobie entwickelt, kann buchstäblich nicht mehr mit Menschen – und versucht darum, die ihm zugewiesenen Assistenten systematisch zu vergraulen. Mit überragendem Erfolg: 45 junge Männer hat er in 14 Jahren von der Insel vertrieben. Sie hielten es eine Stunde bis maximal 16 Monate aus – aber der Rekordhalter war auch ein Autist. Und ausgerechnet Nummer 46, die Plaudertasche Bengt (Florian Kruse), soll es hier aushalten? Bengt hat keine Wahl, denn er muss laut einer gerichtlichen Auflage zwei Jahre auf dieser Insel arbeiten oder fünf Jahre im Gefängnis sitzen.

Der junge Florian Kruse in seiner ersten Rolle bei der NBN gibt den jungen Bengt und seine Gefühlswelt außerordentlich präzise und charmant, zum Knuddeln. Langsam, ganz langsam knackt er den Panzer seines Chefs und bringt ihn dazu, ganz kleine Fenster zu seiner Seele und den Verwundungen zu öffnen.

Dabei hilft ihm aber auch Nina, die blutjunge Tochter des Leuchtturmwärters, die überraschend zu Besuch kommt. Sie lockt ihren Vater aus der Reserve, bringt jedoch auch ein dunkles Geheimnis mit auf die traurige Insel. Auch Sina Schlüter spielt in diesem Stück zum ersten Mal für die NBN und kann in der Rolle der Nina durchaus schon einiges zeigen.

Wolfgang Reimer gibt dem Stück in der kleinen Rolle des Postschiffers Herbert den einen oder anderen Schubs in neue Richtungen. Dabei schaut man ihm wie immer gern zu.

„Ünner’t Lüchtfüer“ ist kein Schenkelklopf-Theater; es ist mehr ernst als heiter, mehr hintergründig als oberflächlich. Aber bei der NBN, vielleicht gerade bei der NBN, ist es sehr gutes Amateurtheater.

Wer das Stück in dieser Woche nicht in Neumünster sehen kann, hat derzeit genug Möglichkeiten: „Ünner’t Lüchtfüer“ ist enorm populär und wird in diesen Tagen und Wochen von den Bühnen in Schwerin, Bremerhaven und Wilhelmshaven, demnächst auch in Hamburg-Poppenbüttel und Oldenburg gezeigt.

Die weiteren Aufführungstermine: 16. bis 18. sowie 21. Februar (20 Uhr), 22. Februar (16 Uhr, alle im Studio-Theater, Klosterstraße 12) und 19./20. Februar (20 Uhr) im Theater in der Stadthalle. Eintrittskarten gibt es zu Preisen von 11 bis 14 Euro (Schüler/Studenten 5 Euro) bei Auch & Kneidl oder an der Abendkasse.

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