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„Art-Tour“ : Die Stadttöpferei hat eine sehr große Strahlkraft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Kulturfestival Kunstflecken wurde am Freitagabend mit der „Art-Tour“ eröffnet.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 08:15 Uhr

Als Kunstflecken-Neuling eröffnete der Erste Stadtrat und Kulturdezernent Carsten Hillgruber am Freitagabend den Neumünsteraner Kunstflecken. Das Kulturfestival startete in bewährter Form mit der „Art-Tour“, die drei Stationen vorhielt.

150 Besucher trafen sich zunächst in der Papierfabrik. Aus aktuellem Anlass stand der Auftakt im Schatten oder vielmehr im Licht der seit 30 Jahren bestehenden Stadttöpferei. Danijela Pivaševic-Tenner kuratierte die Ausstellung „Made in Neumünster“ in der Papierfabrik, die während des Kunstfleckens das Schaffen der vergangenen 30 Jahre im Künstlerhaus am Fürsthof zusammenfasst. Gezeigt werden Werke sämtlicher internationaler Künstler, die in der Vergangenheit in der Stadttöpferei eingekehrt waren. Im Künstlergespräch mit Festivalleiterin Johanna Göb sagte Dr. Ulrich Schneider von den Gottorfer Landesmuseen, dass mit Danijela Pivaševic-Tenner der Umbruch gekommen sei. Sie kam selbst als Gastkünstlerin und ist inzwischen die Leiterin des Künstlerhauses. „Mit ihr kam der internationale Austausch. Die Neuentwicklung mit anderen kulturellen Ansätzen tat der Stadttöpferei sehr gut. Die Strahlkraft, die von ihr ausging, hat dem ganzen Land sehr gut getan“, meinte Schneider.

Kulturdezernent Hillgruber ging noch weiter: „Die Bedeutung des Töpferhauses ist nicht zu unterschätzen. Sie hat eine Ausstrahlwirkung in die ganze Welt“, sagte er. Die Bewerbungen von Künstlern aus aller Welt seien der Beweis. Seit Anfang des Monats etwa gastieren Hoda Ahmed Ragaa Has-hem aus Ägypten und Natas Setiabudhi aus Indonesien im Töpferhaus. In einem Kurzfilm, der den Besuchern gezeigt wurde, kamen Künstler zu Wort, die in der Vergangenheit in Neumünster gastierten. Sie erzählen darin, mit welchen Erwartungen sie in die Stadt gekommen waren und mit welchen Erfahrungen sie Neumünster wieder verlassen haben. Der Film ist in Gänze bei der Ausstellung zu sehen. Die Auseinandersetzung mit dem Ort sei für die künstlerische Arbeit überaus wichtig und lehrreich, sagte die Kuratorin, die selbst bereits weltweit künstlerisch aktiv war. So spiegelt sich auch in der Ausstellung Neumünsters Historie als ehemalige Textilstadt in vielen der ausgestellten Werke wider.

Die Stadttöpferei und die Keramikkunst zeichneten sich auch in der zweiten Station der „Art-Tour“ ab. Danijela Pivaševic-Tenner zeigt in der Bürgergalerie an der Esplanade gemeinsam mit Anke Müffelmann installative Arbeiten unter dem Titel „Ton-Archiv“. Nach einer Begrüßung durch Sünne Höhn vom Kulturbüro erhielt der Wegbegleiter der beiden Künstlerinnen, Augustin Noffke, die Ehre, über sie und ihre Arbeiten zu sprechen. In einem „Plädoyer an die Wahrnehmung“, wie Sünne Höhn es bezeichnete, holte Noffke weit aus. Mit dem Gedanken, in die hässlichste Stadt des Landes zu fahren, sei er nach Neumünster gekommen. „Wäre ich nicht zu Fuß vom Fürsthof zur Bürgergalerie gegangen, sondern hätte mich auf mein Navi im Auto verlassen, hätte ich die wahre Schönheit dieser Stadt gar nicht wahrgenommen“, sagte er und fand so die Überleitung zur Ausstellung. „Hier wird sensibilisiert, stark mit Gefühlen gespielt. Die Werke sind Staub, etwas Vergängliches, nähmen wir sie nicht anders wahr“, erklärte er.

Die dritte und letzte Station der „Art-Tour“ führte in die Werkhalle, das Museumsdepot an der Klosterstraße. Sie ist seit neun Jahren der Kunstflecken-Hotspot. Sänger Tom James (25) trat mit seiner Band zwischen einem Auftritt in Berlin und einer anstehenden Tour in den Niederlanden in Neumünster auf. Und sein Ruf eilt ihm offenbar voraus. Bei freiem Eintritt waren Freitagabend gut 300 Besucher in die Werkhalle gekommen, von denen sich einige auch mit Stehplätzen begnügen mussten.

Insgesamt war es wieder ein gelungener Auftakt für Kunstkenner, -Interessierte und Musikfans. Der Kunstflecken wird am kommenden Donnerstag, 14. September, fortgesetzt mit der jungen Reihe „Flecken-Donner“ und der Vergabe des Jazzförderpreises. 


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