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Holsteinischer Courier

18. Dezember 2017 | 07:53 Uhr

Deal des Jahres : Die Sparkasse rettet Karstadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Juli 2016 ist Eigentümerwechsel / Ein neuer Mietvertrag verschafft dem Warenhaus wieder Luft / Sparkasse plant Bau einer neuen Zentrale

von
erstellt am 04.Dez.2015 | 18:38 Uhr

Neumünster | Damit hat wirklich niemand gerechnet: Die Schließung des Karstadt-Hauses zum Mai 2016 ist vom Tisch, die Kündigungen der Mitarbeiter werden zurückgezogen. Für mindestens fünf Jahre bleibt das Kaufhaus Karstadt erhalten. Das gaben gestern der oberste Karstadt-Boss Dr. Stephan Fanderl und der Chef der Sparkasse Südholstein, Andreas Fohrmann, gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras bekannt.

Das ist der Deal zur Rettung von Karstadt: Die Sparkasse hat die Karstadt-Immobilie (inklusive Parkplatz) zum 1. Juli 2016 gekauft. Verkäufer ist die Highstreet Holding in den Niederlanden, ein Immobilien-Konsortium, dessen einziger Zweck der Besitz und die Vermietung der Karstadt-Häuser ist. Im Juli 2016 tritt ein neuer Mietvertrag über fünf Jahre mit Karstadt in Kraft. Solange bleibt das Warenhaus geöffnet; an einem noch unbestimmten Zeitpunkt danach wird das alte Kaufhaus (Baujahr 1967) abgerissen. Bis dahin entwickelt die Sparkasse neue Pläne. Sicher ist, dass das Institut auf dem 6100 Quadratmeter großen Grundstück eine neue Zentrale für sich baut, dazu Flächen für Handel, Wohnungen und Gastronomie. „Gern planen wir dann auch ein neues Karstadt-Kaufhaus, aber das muss die Zeit zeigen“, sagte Andreas Fohrmann gestern. Die Zukunft für eine der städtebaulich wichtigsten Flächen in Neumünster sei nun jedenfalls gesichert.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Sparkasse Südholstein, die mehrfach von ihrer Finanzorganisation gestützt werden musste, muss dafür aber nach Angaben von Fohrmann keinen Kredit aufnehmen. „Wir kaufen das aus unserer Liquidität. Das Geschäft belastet uns nicht, wir verdienen vom ersten Tag an Geld damit“, sagte Fohrmann.

Karstadt-Chef Fanderl sagte, es habe ihm „große Freude gemacht, den Mitarbeitern die gute Nachricht zu überbringen. Neumünster war das dritte Haus vom Gründer Rudolf Karstadt, und die Schließung wäre uns herzensschwer gefallen“. Die Situation habe sich durch den Verkauf elementar geändert: „Mit dem alten Mietvertrag wäre es nicht mehr gegangen, aber zu den neuen Konditionen ist es wirtschaftlich sehr interessant geworden“, sagte Fanderl. Und außerdem habe er künftig „einen Vermieter vor Ort, der auch ein Interesse an uns hat“. Man wolle umgehend das Sanierungsprogramm „Fokus“ auch in Neumünster starten.

Das häufig totgesagte Konzept Warenhaus hat nach Auffassung von Fanderl sehr wohl eine Zukunft: „Wir haben die Ergebnisse um 60 Prozent verbessert, viele Häuser verdienen wieder Geld.“ In Neumünster habe man zwar in der Kasse gemerkt, dass die Holsten-Galerie eröffnet habe, aber: „Wir sehen auch Kunden mit Karstadt-Tüte in der Galerie. Wir stellen uns dem Wettbewerb und glauben, dass die Stadt Neumünster sich weiter gut entwickelt.“

Davon zeigte sich auch OB Tauras überzeugt. „Durch das Engagement der Sparkasse fallen die Entscheidungen für die Entwicklung des Karstadt-Areals hier in Neumünster. Wir sind der Sparkasse und Karstadt sehr dankbar – und ich freue mich besonders für die Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze behalten können“, sagte er.

Es ist bereits das dritte Karstadt-Haus, dessen bereits beschlossenes Ende der neue Chef Fanderl 2015 auf diese Weise revidiert: In Mönchengladbach und Dessau gab es ebenfalls örtliche Käufer, die die überzogenen Mieten von Highstreet auf ein marktübliches Niveau heruntergeschraubt haben und den Warenhäusern damit wieder Luft zum Atmen gaben.

Kommentar von Thorsten Geil:

Ein verdammt guter Tag

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hat es gestern auf englisch gesagt: „Das ist eine Win-Win-Win-Situation.“ Karstadt profitiert, die Sparkasse profitiert – und ganz Neumünster auch. Ganz zu schweigen von den Mitarbeitern, deren Kündigung zurückgenommen wird. Gestern war ein verdammt guter Tag für Neumünster.

Das Geschäft zeigt, wie krachend eine Mode gescheitert ist: Überall verkauften Unternehmen ihre Immobilien, um sie anschließend (viel zu teuer) zurück zu mieten. Im Falle Karstadt hat das die einzelnen Kaufhäuser stranguliert. Mit neuen Konditionen hat das Haus am Großflecken plötzlich wieder Chancen. In der Kalkulation des Karstadt-Bosses dürfte aber auch eine Rolle spielen, dass schon mehr als 20 Mitarbeiter gegangen und die Lohnkosten stark gesunken sind.

Die Sparkasse hat übrigens auch das Miet-Problem, denn auch sie hat 2007 ihre Zentrale abgestoßen und zahlt viel zu viel Miete für den Bau von 1995. Es macht aber Sinn, wenn eine Bank eigene Immobilien hat. Und mit der Entscheidung ist auch sicher, dass die Südholstein ihre Zentrale in Neumünster behält.

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