Faldera : „Die Schule muss sich nach den Kindern richten“

Vor dem Abschied: Gerd Milkereit (63), Leiter der Gemeinschaftsschule Faldera, geht in den Ruhstand.
Vor dem Abschied: Gerd Milkereit (63), Leiter der Gemeinschaftsschule Faldera, geht in den Ruhstand.

Der erste Leiter der Gemeinschaftsschule Faldera geht nach 23 Jahren in den Ruhestand. Gerd Milkereit plädiert für eine Schule ohne Angst

23-2501581_23-57193236_1387553880.JPG von
03. Juli 2014, 11:00 Uhr

Neumünster | „Die Schule ist jeden Tag eine Wundertüte. Man weiß nie, was auf einen zukommt!“ – Der Satz stammt nicht etwa von einem oberschlauen Pennäler, sondern von Gerd Milkereit (63), Schuleiter der Gemeinschaftsschule Faldera, und ist durchaus ernst gemeint: „Den Stress hält man nur aus, wenn die Grundrichtung stimmt!“ Für Gerd Milkereit hat die Grundrichtung an seiner Schule in den vergangenen Jahrzehnten gestimmt. „Eine Schule, die sich nach den Kindern richtet – nicht umgekehrt“, hat sich der Vollblutpädagoge immer gewünscht. Und er ist überzeugt, das in Faldera auch gelebt zu haben. 23 Jahre lang hat er die Schule an der Franz-Wieman-Straße maßgeblich geprägt; am kommenden Montag, 7. Juli, übergibt er die Leitung in jüngere Hände. Milkereit ist dabei guter Dinge: „Die Schule ist auf einem guten Weg!“

Dabei war der Start in Faldera alles andere als einfach: 1991 wurde die Gründung der neuen Gesamtschule von vielen als Kampfansage an das Bildungswesen schlechthin empfunden. Die ersten Schüler, Eltern und Lehrer mussten sich ihren Weg noch vorbei an bitterbösen Transparenten bahnen: „Wir wollen Euch nicht!“ Die Schule revanchierte sich musikalisch: Von der damaligen Kulturdezernentin Helga Hein am Klavier begleitet, sang der Schülerchor zur Eröffnung „Wir werden immer größer!“ – zum Ärger mancher Gäste, die den neuen Schultypus für „linken Spinnerkram“ hielten.

Für Milkereit und seine Mitstreiter im neuen Kollegium war die Gesamtschule dagegen eine Chance, Schule wieder auf die Füße zu stellen: Statt frühzeitiger Aufteilung sollten Kinder aus allen Schichten nebeneinander und möglichst lange gemeinsam angstfrei lernen und ihre Stärken entwickeln können, fordert der Pädagoge.

Milkereit hat dazu ein klares Schlüsselerlebnis. Nach seiner Ausbildung zum Biologie- und Chemielehrer in Hamburg kam der gebürtige Bergenhusener zum Referendariat an eine Realschule im Hamburger Randgebiet: „Auf dem Schulhof gab es einen weißen Strich, der nicht übertreten werden durfte“, erinnert er sich: „Links die Hauptschüler, rechts die Realschüler, und wir sollten das beaufsichtigen. Das war nicht meine Vorstellung von Schule!“

Milkereit wechselte an die junge IGS in Brachenfeld und übernahm 1991/92 als erster Schulleiter den Aufbau der neuen Gesamtschule in Faldera. Die konnte sich trotz aller Widerstände nicht nur behaupten, sondern nach und nach auch die Vorbehalte gegen die angebliche „Gleichmacherei“ knacken. Wurden in der Startphase der Gesamtschule gerade mal 90 Jungen und Mädchen von acht Pädagogen unterrichtet, werden an der heutigen Gemeinschaftsschule im Schnitt mehr als 700 Schüler auf das Leben vorbereitetet. Seit Jahren gibt es mehr Anmeldungen als Schulplätze. Der Anteil der Schüler mit Gymnasialempfehlung liegt konstant bei 30 Prozent, und – darauf ist Milkereit besonders stolz – 40 bis 50 Prozent der Gefa-Schüler machen einen besseren Abschluss, als von der Grundschule vorhergesagt.

Rund 1800 bis 2000 Jungen und Mädchen haben an der Gefa unterMilkereits Regie ihren Schulabschluss absolviert, darunter auch seine eigenen drei Kinder. Einer seiner beiden Söhne ist selber Lehrer geworden und unterrichtet heute in Hamburg. Das Ende seiner Schulzeit wird Milkereit nicht lang werden: Der leidenschaftliche Plattdeutsch-Fan und Laienschauspieler wurde erst vor wenigen Tagen zum neuen Bühnenleiter der Niederdeutschen Bühne Neumünster (NBN) gewählt.

Mit Gerd Milkereit wird am Montag auch dessen langjährige Stellvertreterin Bodil Krey (62 ) verabschiedet. Die 62-Jährige nimmt ein Sabbatjahr, bevor sie 2015 in den Ruhestand wechselt.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen