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Warnstreik der Erzieher : „Die Schmerzgrenze ist erreicht“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

300 Mitarbeiter aus dem Sozial- und Erziehungsdienst traten in den Warnstreik. Sie fordern mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen.

von
erstellt am 20.Mär.2015 | 05:30 Uhr

Neumünster | Sie waren nicht zu überhören – und genau das war das Ziel: Mit einem gellenden Pfeifkonzert zogen gestern Vormittag rund 300 Mitarbeiter aus dem Sozial- und Erziehungsdienst durch die Stadt, um für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Acht von neun städtischen Kitas blieben aufgrund des Warnstreiks geschlossen, an dem sich auch Einrichtungen aus Norderstedt, Segeberg und Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes Neumünster beteiligten.

Zur Arbeitsniederlegung aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi, die durch die Fachbereichssekretärin Annette Falkenberg vertreten war. Sie stimmte die Teilnehmer bereits bei der Streikversammlung im Kiek In an der Gartenstraße auf einen harten Kampf ein: „Es gibt bislang keinen Hinweis darauf, dass unsere Forderungen gehört wurden – deshalb müssen wir uns Gehör verschaffen. Ihr leistet eine Menge, und dafür gebührt euch Anerkennung.“

Im Namen der Beteiligten überreichte Annette Falkenberg ein Forderungspapier an Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, der in seiner Funktion als Vorsitzender der Kommunalen Arbeitgeber-Vereinigung Schleswig-Holstein vor Ort war. „Sie können sicher sein, dass ihre Arbeit über alle Parteigrenzen hinweg sehr hoch geschätzt wird. Wir haben uns als Arbeitgeber immer verhandlungsbereit gezeigt und werden uns mit den Forderungen auseinandersetzen“, kündigte Tauras an, wies aber gleichzeitig auf die hohen finanziellen Belastungen vieler Kommunen hin.

Vom Thema Belastung kann auch die Erzieherin Liane Aschmann (58) aus der Kita Schubertstraße ein Lied singen. „Wir haben einen Bildungsauftrag, dem wir gerecht werden wollen. Gleichzeitig nimmt das Arbeitspensum stetig zu, und die Anzahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf steigt. Die Schmerzgrenze ist erreicht.“ Dem schloss sich ihre Kollegin Jana Schürmann an: „Wir fordern nicht nur eine bessere Bezahlung, sondern vor allem bessere Arbeitsbedingungen. Wir brauchen mehr Räume, mehr Zeit, mehr Personal und eine Reduzierung der Gruppen, um qualitativ gute Arbeit leisten zu können.“

Auch Jana Trottenburg (29) von der Kita Christiansfelde in Bad Segeberg kämpft mit ähnlichen Problemen: „Die Anforderungen haben sich deutlich erhöht. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass sich die Lebensbedingungen vieler Kinder verändert haben. Durch die Flüchtlingswelle haben wir viele Kinder mit einem ganz anderen Bedarf. Wir wünschen uns einfach, dass gesehen wird, was wir leisten.“

Dass sich an der aktuellen Situation etwas ändert, sieht Erzieherin Anne Redmann nicht: „Wir werden ständig nur vertröstet. Die Politiker sollten mal eine Woche bei uns mitarbeiten, dann würden sie anders denken.“

Elke Christina Roeder, Oberbürgermeister-Kandidatin der SPD, nahm gestern am Demonstrationszug zum Großflecken teil und zeigte Verständnis für die Streikenden. „Ich möchte die Teilnehmer durch meine Anwesenheit unterstützen. Es geht schließlich um die Zukunft unserer Kinder“, betonte sie.

Die Tarifverhandlungen werden am Montag im nordrhein-westfälischen Münster fortgesetzt. Annette Falkenberg: „Die Signale, die von uns gesandt wurden, können nicht überhört werden. Und wenn doch, dann waren wir heute nicht das letzte Mal hier.“

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