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Holsteinischer Courier

24. Oktober 2017 | 13:30 Uhr

"Die schlimmste Szene meiner Karriere"

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DFB-Pokal: VfR-Pechvogel Finn Thomas ist untröstlich / War es wirklich ein Foul? / Boss Klusemann betont: "Wir sind keine Abzocker"

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erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Neumünster | Finn Thomas, ausgerechnet Finn Thomas. Die Identifikationsfigur beim Fußball-Regionalligisten VfR Neumünster schlechthin wurde zum großen Unglücksraben im DFB-Pokal-Erstrundenspiel gegen den Bundesligisten Hertha BSC (2:3 nach Verlängerung). Mit seinem Foul an Änis Ben-Hatira in der 119. Minute bescherte er den Berlinern einen Strafstoß, der erst in Nachspielzeit der Verlängerung von Sami Allagui verwandelt wurde.

Aber war es überhaupt ein Foul? Die Meinungen in der Szene gingen auch gestern noch weit auseinander. Von "ein absoluter Witz" bis "völlig berechtigt" war das gesamte Spektrum der Meinungsbildung am Courier-Telefon zu vernehmen. Immer wieder bemängelten allerdings die Anrufer in unserer Sportredaktion das fehlende Fingerspitzengefühl von Schiedsrichter Benjamin Cortus aus Röthenbach bei Nürnberg. "Da drücke ich so kurz vor dem Elfmeterschießen vielleicht mal ein Auge zu und lasse einfach zu Gunsten des Außenseiters VfR weiterspielen", wollte ein Leser von einer einheitlichen Regelauslegung nichts wissen.

"Ich habe mir die Aktion 50 Mal am Bildschirm angeschaut, immer wieder vor- und zurückgespult. Das ist die schlimmste Szene in meiner Karriere", verriet gestern Pechvogel Thomas. In dieser Saison ist er fest zum Kapitän aufgestiegen, den "Einstand" hätte er sich sicher anders vorgestellt. Und selbst der 26-Jährige war zwiegespalten. "Klar, ich trete Ben-Hatira in die Hacken. Doch ich sehe den gar nicht, will mich wegdrehen. Dann fädelt der ein, wir fallen übereinander - und der Schiedsrichter gibt Strafstoß. In dem Moment war ich wie gelähmt, total fassungslos", sagte Thomas und schlug in die Kerbe einiger Courier-Leser: "Der Unparteiische hat doch schon bei der Gelb-Roten Karte für unseren Stürmer Christopher Kramer jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lassen." Auch stellte Thomas eine interessante These auf: "Wäre ich ein ,Promi wie etwa Bastian Schweinsteiger, hätte der Schiedsrichter garantiert keinen Elfmeter verhängt."

"Es gibt kein Wenn, kein Hätte, kein Aber. Das Spiel ist gespielt. Fertig. Aus." Gerd Grümmer, der 2. Vorsitzende des VfR, wollte gestern nicht mehr nachkarten. Er freue sich vielmehr über die Werbung, die sein Team - auch dank einer großen Fernsehpräsenz bei Sky, in der ARD-Sportschau sowie bei N3 - für Neumünster gemacht hatte. "Außerdem hat der Verein so viele Zuschauer wie schon seit 50 Jahren nicht mehr gehabt. Besser geht es doch nun wirklich nicht", sagte der Kaufmann.

Eine positive Bilanz zog indes VfR-Boss Detlef Klusemann, auch wenn der Traum von Runde 2 und einem dazugehörigen TV-Honorar in Höhe von rund 250 000 Euro (!) jäh zerplatzte. "Wir hatten organisatorisch alles im Griff, haben Neumünster in Deutschland hervorragend repräsentiert", urteilte der 49-Jährige. Er lobte seine Mannschaft für eine "aufopferungsvolle, bewundernswerte Leistung". Schiedsrichterschelte wollte er nicht betreiben. "Auch er hat sein Bestes gegeben, wir sollten die Schuld nicht beim Unparteiischen suchen." Klusemann selbst war im Vorfeld des Hertha-Spiels wegen der gerade von ihm durchgedrückten hohen Eintrittspreise in die Kritik geraten. "Diese Pokalpartie war jeden Cent wert", sagte er. "Außerdem sollte man nicht vergessen, dass wir im Gesamtpaket unter dem Durchschnittsniveau geblieben sind. Wir haben eine erstklassige Stadionzeitung kostenlos verteilt, ferner sind Bier und Wurst bei uns günstiger als anderenorts. Der Stehplatzbesucher ist voll auf seine Kosten gekommen." Klusemann räumte allerdings ein, es bei den Sitzplätzen (55 Euro) "beim nächsten Mal anders zu machen". Dennoch wehrte er sich gegen Vorwürfe von außen, der Verein habe Wucherpreise verlangt. "Wir sind keine Abzocker", betonte der Vorsitzende. "Unsere Mannschaft hat Klasse. Die wird nicht unter Wert verkauft."

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