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Seniorenmagazin : Die Postkarte bleibt mein Klassiker

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Aus dem Urlaub schreibe ich Ansichtskarten und bekomme Kritik von den Enkeln.

von
erstellt am 29.Jan.2016 | 09:00 Uhr

Neumünster | Ja, ich schreibe noch Postkarten. Ja, die aus richtigem Papier mit Bild auf der einen Seite und Briefmarke auf der anderen. Die meisten Empfänger melden sich erfreut nach dem Erhalt, auch wenn der Urlaub dann manchmal schon vier Wochen zurückliegt. Aber das hindert mich nicht am Weiterschreiben.

Die erste Kritik kam von meiner 18-jährigen Enkelin, als ich in der Anschrift nur „Familie Neubauer“ schrieb. Sie bemängelte die fehlenden Vornamen. Na gut, vielleicht war das wirklich ein Fehler von mir, der nicht mehr vorkommen soll.

Die nächste Karte wurde kritisiert, weil ich nur einen Satz über unser Wohlergehen verlor und den über die ganze Karte verteilte. „Du hattest wohl keine Lust zum Schreiben und hast mit dieser Mitteilung nur eine lästige Pflicht erfüllt!“, musste ich mir anhören. Die folgende Karte schrieb ich in Minischrift, und sie enthielt somit den kompletten Urlaubsbericht, der in Normalschrift bestimmt eine DIN-A-4-Seite geworden wäre. Oh, diesmal keine Kritik, wie schön.

Karten verfasse ich kurz und knackig – es kommt auch schon mal vor, dass ich gleich zu Anfang schreibe: „Liebe Urlaubsgrüße von uns“ und mich dann in ein, zwei Sätzen über den Urlaub auslasse – und dann ist Schluss.

Diese Art stieß auf wenig Gegenliebe. „Wieso schreibst du die Grüße gleich oben, die gehören nach unten, deine Aufteilung ist doch völlig falsch. Und dann nach der Urlaubsbeschreibung gar keine Grüße mehr“: Der Zwölfjährige schaltet sich jetzt auch schon ein und ist empört. Mein Lieber, wann hast du schon mal eine Postkarte geschrieben?

Die Schwester stieß mit ihrer Kritik mit den gleichen Worten ins gleiche Horn. Sie kommuniziert nur noch über Facebook, Twitter und Instergram. Hoffentlich ist das nicht schon wieder out, wenn ich dieses schreibe, denn inzwischen ist SMS-Schreiben, das fast nur aus Abkürzungen bestand, schon längst überholt. Jetzt werden Gefühle mit Smilies und Emoticons ausgedrückt. Man braucht eigentlich gar nicht mehr zu schreiben. Ein Klick auf einen oder zwei Buchstaben, und es kommen Wortvorschläge. Satzzeichen, Groß- und Kleinschreibung sind auch verpönt und eine Alterserscheinung.

Und ich als Mitglied der aussterbenden Art der Postkartenschreiber muss mir jetzt Kritik von meinen Enkeln gefallen lassen, die vor Jahren zuletzt eine Karte geschrieben haben, als sie noch keine Smartphones hatten.

Meine Freundin nimmt erfreulicherweise meine Postkarten kritiklos an. Der habe ich in Stichworten geschrieben: „Wetter: 36, Wasser: 28, Essen: zu viel“ usw. Ihr Kommentar: „Endlich werde ich nicht mit literarischen Füllwörtern überfordert.“

Das ganze Seniorenmagazin gibt es in der Courier-Ausgabe vom 29. Januar 2016.




 

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