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„German Doctor“ aus Wasbek : „Die Philippinos haben nie gejammert“

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gerd Bunzel behandelte sechs Wochen lang für die Organisation „German Doctors“ Patienten auf den Philippinen. Im Winter will er wieder hin.

Wasbek | Was ihm besonders in Erinnerung geblieben ist? Dr. Gerd Bunzel (67) muss nicht lange überlegen: „Die Akzeptanz und Dankbarkeit der Menschen war riesig. Das hat mich beeindruckt.“ Sechs Wochen war der Ende 2013 in Ruhestand gegangene Wasbeker Hausarzt auf den Philippinen. Für die Organisation „German Doctors“ behandelte er unter teils schwierigen Bedingungen und mit einfachen Mitteln die Menschen in den abgelegenen Dörfern auf der Insel Mindanao. Jetzt ist er zurück.

Los ging seine Arbeit Ende Januar in der Klinik der Cagayan de Oro, einer 600.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Mindanaos. „Dort gab es große Elendsviertel mit Wellblechhütten. Die Menschen haben ihren Müll verbrannt und Abwasser einfach auf die Straße gekippt“, erzählt Bunzel noch sichtlich beeindruckt. Die Armut hatte er fortan jeden Tag vor Augen. Denn das philippinische Gesundheitssystem krankt, die Menschen sind auf die seit Jahrzehnten nachhaltig geleistete Hilfe der „German Doctors“ angewiesen.

Nach zweiwöchiger Einarbeitungszeit geht die Reise für Bunzel weiter ins Landesinnere, in die 800 Meter hoch gelegene Ortschaft Duda. Dort unterhält die Hilfsorganisation eine eigene Klinik mit 120 Betten und einer Ambulanz. Bunzel arbeitet mit einem Kinderarzt und Gynäkologen zusammen. „Jeden Morgen um 8 Uhr warteten 200 bis 400 Patienten, die zum Teil unter abenteuerlichen Bedingungen zu Fuß, per Pferd oder Moped angereist waren“, sagt Bunzel. Viel Arbeit: Bunzel entfernt Fremdkörper, säubert Wunden, macht kleine chirurgische Eingriffe, spaltet sogar bei örtlicher Betäubung einen Brustdrüsen-Abzess einer stillenden Frau. Er behandelt Tuberkolose und Lepra, aber er impft auch, muss Beschwerden durch Mangel- oder Unterernährung lindern. „Die Philippinos haben nie gejammert oder geklagt, trotz zum Teil großer Schmerzen. Einem wird bewusst, dass viele Menschen hier in Deutschland nur mit Luxusproblemen zum Arzt gehen“, sagt er. Seine Arbeit leistet er bei täglich 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit mit einfachen Mitteln. Nur rund 100 Medikamente hat er zur Verfügung, dazu einfaches medizinisches Equipment. Röntgenapparate oder andere teuere Geräte gibt es nicht.

Noch abenteuerlicher wird es in den abschließenden zwei Wochen. Bunzel wird Teil der „roling clinic“, der rollenden Klinik. Mit einem geländegängigen Fahrzeug, einem Fahrer, einem Techniker, drei Krankenschwestern und einen Zahnarzt fährt er abgelegene Berg-Dörfer an. Dort wird das Team bereits von den Kranken erwartet, die aus Kosten- oder Gesundheitsgründen nicht in die Stadt kommen konnten. 13 Tage übernachtet er mit Katzen, Hühnern und Schweinen in einfachen Pfahlhütten auf seiner Iso-Matte, ein Moskito-Netz schützt vor den Mücken. „Man wird geerdet, besinnt sich auf das Wichtige“, sagt Bunzel. Richtig krank wird er zum Glück nicht. Zum Abschluss nach seinem Dienst reist er noch zwei Wochen mit einem Freund durch die Inselwelt der Philippinen, sieht die großen monotonen Bambus-Felder – eine Folge der Brandrodung des Urwaldes.

Rund 2500 Fotos hat der Mediziner geschossen. In zwei öffentlichen Dia-Vorträgen will er Landschaft und Leute, aber auch die Krankheitsbilder vorstellen. Termine stehen noch nicht fest. Klar ist dagegen, dass er Ende des Jahres wieder zu den „German Doctors“ auf die Philippinen fährt. „Über Weihnachten und Neujahr werde ich dort weiter helfen“, sagt er.

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erstellt am 04.Mai.2014 | 06:15 Uhr

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